Wie ist das jetzt mit der Offenheit? Auswertung Blogparade, Teil 1

Himmel hilf! Da hab ich ja was angestellt! Mit meiner Blogparade „Wie viel Persönliches/Privates braucht und/oder verträgt ein Blog?“ habe ich so viele tolle Beiträge bekommen – 33, um genau zu sein – dass es mir jetzt ernsthaft schwerfällt, alles auszuwerten. Um es nicht allzu unübersichtlich zu machen, werde ich das Ganze in zwei Teile gliedern. Dabei kommen alle, wirklich alle mindestens einmal „zu Wort“ – versprochen! Wenn nicht im ersten, dann spätestens im zweiten Teil. Und:  Achtung! Trotz der Aufteilung wird es lang!!!

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Die Gründe, überhaupt ein Blog zu starten

„Ja! Ab und an muss ich mir schon mal Luft machen und dann hilft mir das Schreiben.“ Katrin ist „Musikhai“, ihr Beitrag hier.

„Schreibend kann ich mir selbst meine Haltung zu diesem oder jenem Lebensereignis oder Weltgeschehen klar machen“, sagt Claudia Klinger, die sich selbst außerdem bescheinigt: „einen Hang zum Philosophieren in der ersten Person hatte ich schon immer“. (Ihren Beitrag findet ihr hier).

„Ich lasse thematische Testballons raus und klopfe so Themen ab, ich hol mir Input zu Fragestellungen oder Feedback zu Überlegungen.“ (vielfalten.com von Sonja Schiff, hier ).

„Ich versuche gerade, im Neuronenwirrwarr meines Hirns eine logische Begründung zu finden, warum es erstrebenswert sein sollte, als öffentliche Person im Netz zu stehen. Nachteile fallen mir problemlos ein… Ein Vorteil: Macht. Die Macht, andere Menschen (zum Positiven hin) beeinflussen zu können. Nein, beeinflussen klingt zu böse. Inspirieren. Inspirieren können, das wäre toll.“ Kato von Innocent Glow.

„Wir alle saugen Informationen doch auf und finden es spannend zu sehen, was andere so treiben oder nicht?“, fragt Dani von „Glucke und so“.

„Ich erzähle gern von den Dingen, die mich gerade umtreiben – Ereignisse, die mir Freude machen, wie unsere gemeinsamen Unternehmungen oder von unseren Chefs Tieren“, steht im Blog „Lakritz und Schokolade“ hier.

„In einigen Beiträgen beleuchte ich ein Thema, zu dem ich selbst Fragen und keine Antworten habe. Das regt mich vor und beim Schreiben zum Nachdenken an und ich hoffe, meinen LeserInnen geht es ebenso. Sehr schön ist es, wenn wir dann aus Kommentaren oder Mails gemeinsam eine Lösung herausarbeiten.“ Septemberfrau.

„Ich schreibe, wenn die Seele überläuft, wenn etwas raus drängt. Das ist zwangsläufig persönlich, denn ich schreibe nur über das, was ich im Alltag erlebe oder woran ich mich erinnere. (…) Ich bin mein eigener Forschungsgegenstand. Lässt sich von meinen Erfahrungen was Allgemeines ableiten? Ich beobachte, was das Schreiben mit mir macht. Oft hat es eine klärende, ordnende Funktion.“ Christiane, Pflaumbaumlaube.

„Schon immer habe ich viel über das Schreiben verarbeitet. Ganze Tagebücher voll geschrieben… Nun ‚verarbeite‘ und ‚bearbeite‘ ich ‚öffentlich‘, auch um von Anderen Gedankenanregungen oder andere Blickwinkel zu bekommen.“ (Von „Meine Jahre“, Der ganze Beitrag hier.)

„Ich blogge als Mensch. Und natürlich zeig ich in erster Linie Dinge, die mir Spaß machen. Wie Kleidung. Ich schreibe über Kino- und Konzertbesuche. Über Rezepte, Sport und bis zu einem gewissen Grad auch Unverfängliches über meine Lebenseinstellung.“ Sunny von sunny’s side of life hier.

„Die Idee zu bloggen ist erst durch meine Erkrankung entstanden.“ Und: „Für mich ist das Schreiben die beste Medizin.“ Meine Clusterkopfschmerzen

„Ich hatte grad „kein Geld für eine richtige Homepage, also hab ich einen Blog gestartet, um meinen Kunden von mir zu erzählen“ (vielfalten.com von Sonja Schiff, hier ).

„Angefangen hat dieser Blog als Produktblog zu unserem Shop. Und so habe ich auch geschrieben 🙁 Dass das kaum jemanden interessiert hat, habe ich zum Glück schnell gemerkt und fing an immer ein wenig persönlicher zu schreiben.“ (Kirsi Gembus hier)

Ja, die Idee, in einem Blog das Berufliche mit dem Privaten zu vereinbaren, scheint erst einmal nahe zu liegen. Doch: Kann das gut gehen? Liegen nicht gerade in der Verquickung von Beruf und Privatleben sehr viele Fallstricke? Ich glaube: ja. Das bestätigen jedenfalls manche Beiträge.

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Beruf und Privatheit

Eine Sonderrolle hierbei haben  Journalisten – erst einmal ganz banal deshalb, weil sie beruflich wie beim privaten Bloggen mit dem gleichen „Instrument“ umgehen, der Sprache.

Kato von Innocent Glow genießt es, „auf meinem Blog eine Mischform aus objektiver Journalistin und subjektiver Bloggerin sein zu können.“ Dies ist sozusagen die moderne Variante von Journalisten als BloggerInnen (oder umgekehrt).

Schwieriger haben es da jene, die mit dem „alten Journalisten-Ethos“ zu kämpfen haben: Als bloggender Journalist oder journalistischer Blogger habe ich, ja ich sage dieses Mal bewusst ‚ich‘, einen anderen Ansatz, eine andere Vorstellung als vermutlich viele Blogger. Als Journalist bin ich es gewöhnt, zwischen Subjektivität und Objektivität zu unterscheiden – und möglichst klar zu trennen“, stellt Helmut Achatz hier fest. Aber er räumt auch ein, dass es – so lange er noch nicht im Ruhestand ist – durchaus Grenzen gibt: „Ich bin immer noch Journalist und als solcher arbeite ich in einem Tendenzbetrieb, der seine eigenen Regeln hat. Das kann ich beim privaten Bloggen nicht völlig ignorieren.“

In eine ähnliche „Kerbe“ schlägt Ulrike Schwieren-Höger hier: „Es ist mir eigentlich sogar unangenehm, viel von mir zu erzählen. Als alte Journalistin habe ich sowieso eine Schere im Kopf. Das Persönliche, so doziert jeder Chefredakteur, sollte hinten anstehen. Der gute Journalist darf sich nicht gemein machen mit irgendwas, schon gar nicht mit sich selbst.“ Und dann, auf meine Frage: Wie haltet ihr es mit der persönlichen Offenheit in eurem Blog? „Für mich ein Problem. Vielleicht lerne ich irgendwann hinzu.“

Anders sieht das vielleicht bei Selbstständigen aus – aber auch die haben Kunden, denen eine zu große Offenheit unter Umständen sauer aufstoßen könnte. Claudia Klinger sagt:Beruflich bin ich in dieser Hinsicht privilegiert, da ich als Freiberuflerin im Homebüro übers Netz arbeite. Das sind also keine Kollegen in einem über Jahre geteilten Büro, die über meine Postings tratschen könnten oder wollten. Über meine Auftraggeber schreibe ich nicht, habe aber keine Bedenken, dass sie meine Artikel lesen könnten.“ Ihr ganzer Beitrag hier.

Recht relaxt sieht das Christiane, Pflaumbaumlaube: „Ich habe keine Sorge, dass zu viel Privatheit in meinem Blog dem beruflichen Selbstbild schadet. Auch im Beruflichen zeigen wir uns als Menschen, so wie wir sind.“

Und Moppi – offensichtlich als fest Angestellte: „Auch wenn (m)ein Arbeitgeber meinen Blog kennen würde, glaube ich nicht, dass ihn dieser stören oder er ihn anstößig finden würde.“

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Persönliche (Prä-)Disposition

Fast entrüstet reagiert Petra, törichtes Weib auf meine Frage, ob sich jemand wünscht, noch offener/mutiger als bisher in seinem Blog zu sein: „Noch mutiger als ich jetzt schon bin? Ich zeige mittlerweile sogar Fotos von mir.. mehr geht nicht!“

Mehr über ihre Worte denkt Ulrike Schwieren-Höger nach und stellt fest:Es ist nämlich eine Typfrage, ob es einfach so raussprudelt, das Persönliche und Private, oder ob fein ziseliert und in nette Worte gepackt um die Ecke gedacht wird.“

„Nun muss ich vielleicht dazu sagen, das ich auch im ‚wahren‘ Leben eher zurückhaltend bin und als Halb-Finnin gibt man sowieso so gut wie nichts von sich preis.“ Kirsi Gembus

„Sehr viel offener kann ich nicht mehr werden, außer ich zeige mich körperlich nackt. Das wird aber niemals passieren, denn ein Seelenstriptease ist auch Nacktheit. Nacktheit bedeutet auch immer Verletzbarkeit. Diese Verletzbarkeit muss man handlen können“, benennt Dani von „Glucke und so“ ihre persönlichen Grenzen.

Ein klares Statement kommt von „Meine Jahre“ (der ganze Beitrag hier): „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Wer Emotionen ausklammern will, sollte sich ein Fachbuch zulegen und nicht in Blogs rumschmökern.“

Sonja Schiff ist nach eigener Aussage „eine sehr offene Frau“. Aber sie stellt auch fest: „Wie überall im Leben, ist es ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich gebe Einblicke in mich, meine Gedanken, mein Leben und ich bekomme Einblicke von anderen. So entsteht Vertrautheit und so entsteht ein Miteinander. Klar achte ich auf meine Privateinstellungen, klar poste ich keine Nacktfotos von mir und meine Streitereien oder Versöhnungen mit meinem Partner gehen auch niemanden etwas an. Ich denke, mein Umgang mit meinem Blog und den Sozialen Medien entspricht meiner Persönlichkeit.“ (vielfalten.com von Sonja Schiff, hier ).

„Lakritz und Schokolade“ reagiert hier deutlich auf für sie falsche Urteile: „Ich bin ein durch und durch emotionaler Mensch (und in dem Glauben erzogen worden, dass mich das zu einem albernen, ‚bescheuerten‘ Menschen mache, der nicht lebensfähig sei). Also: Jetzt und hier erst recht!“

Bei Petra war es ein Prozess: „Als ich vor 6-7 Jahre anfing zu schreiben tat ich das nicht unter meinem Namen, man hatte mich gewarnt, bloß nicht zu offen zu sein… und und .. Das alles fühlte sich für mich sehr schnell nicht gut an … das Verhuschte, das sich wegducken und im Dunkeln munkeln ist meine Sache nicht.. so entschloss ich mich, offen unter meinem Namen zu schreiben.. und siehe da.. es passierte NICHTS.. zumindest nichts Schlechtes.“ (Der ganze Beitrag hier)

Eigentlich alle kennen diesen Zwiespalt, den Septemberfrau Elvira hier ganz deutlich macht:Nach wie vor beschleicht mich ein seltsames Gefühl, wenn ich Persönliches ausplaudere und es kostet mich sehr oft große Überwindung es zu tun, doch ein Blog ohne mein ICH ist seelenlos und kalt, geht in meiner Vorstellung eigentlich gar nicht.“

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Grenzen der Offenheit, Teil 1

Eine glasklare Definition ihrer Grenzen – inklusive einer für mich sehr überzeugenden Begründung – liefert Claudia Klinger: „Es gibt bei all diesen Themen ein unausgesprochenes Tabu, das mir immer schon selbstverständlich war: Ich schreibe über mich, berichte Erlebnisse aus persönlicher Sicht, schreibe aber nicht über Andere. Das mag schwierig erscheinen, denn niemand lebt sein Leben als abgeschottete Monade, stets alleine und nur mit sich selbst zugange. Das eigene Erleben ist allermeist ein interaktives Geschehen: Partner, Verwandte, Freunde, Bekannte, Nachbarn, Auftraggeber und Nehmer spielen wichtige Rollen, die mein Leben mitbestimmen. Dennoch kommen sie in meinem Artikeln niemals als konkrete Personen vor, denn damit würde ich ihr Recht, selbst zu bestimmen, was sie von sich öffentlich machen wollen, drastisch verletzen.“ “. (Ihr Beitrag hier)

„Ich möchte durch meinen Blog nicht zum gläsernen Menschen werden. Ich möchte auf der Straße nicht von fremden Menschen angesprochen werden, die mir zurufen: ‚He, Sie mögen doch so gerne Cappuccino aus blauen Tassen. Trinken Sie mit mir einen?‘ Es muss nicht jeder alles über mich wissen. Das kann auch peinlich werden oder gegen einen ausgelegt werden.“ Dieses klare und sehr lebendige Beispiel kommt von Silke, der Kultmama, nachzulesen hier.

Und dann gibt es noch den Beitrag der Schriftstellerin Kirsten Fuchs, jener Frau, die über die Reisen bloggt, die sie mit ihrer kleinen Tochter unternimmt. Für sie ist die Frage nach der Offenheit in einem Blog essentiell: „Was einem gehört, sind die eigenen Geschichten, das Gesicht, die Identität.“ Mit anderen Worten: Darauf hat eigentlich niemand anderes ein Recht als man selbst… Eine echte „Zwickmühle“ für eine Schriftstellerin…. Ihr ganzer Beitrag steht hier.

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Für wen schreibt ihr?

„Eines zeigen meine Blog-Statistiken klar, meine Leserinnen mögen meine Offenheit. Ist doch auch verständlich! Wir wollen beim Lesen eines Blogs unterhalten werden, wir wollen mitdenken, mitleiden, mitfiebern, mitlachen, mitweinen, wir wollen uns identifizieren können mit der schreibenden Person, wollen uns wiederfinden in den Gedanken des Gegenübers.“ (vielfalten.com von Sonja Schiff, hier ).

„Im Prinzip schreibe ich hier über alles das, was ich auch einer flüchtigen Bekannten im Zug oder im Supermarkt erzählen würde.“ Sunny von sunny’s side of life hier.

„Ja, mir war von Anfang an klar, dass ich viel von meiner Persönlichkeit in meinem Blog hineintrage. Es ist meiner, da hat mir keiner reinzureden. Ich entscheide, was ich bereit bin, von mir zu erzählen. Grundsätzlich gebe ich soviel Privates hinein, wie ich auch einer Bekannten auf der Straße erzählen würde und manches Mal ist es sogar ein Quentchen mehr“, Septemberfrau

„Ich habe mir angewöhnt, mich vor Veröffentlichung immer zu fragen: ‚Würde dich das interessieren?‘ ‚Will das wirklich irgendwer wissen?‘“ Kirsi Gembus

Claudia Münster: „Meine Leser möchten beispielsweise keine abgehobene Frau, die akademisch und distanziert über Lebensmodelle und Entwicklungsmöglichkeiten und Wege zum Glück  berichtet. Es geht neben der fachlichen Kompetenz darum, dass meine Leser erwarten, dass ich das Leben kenne. Dass ich Dinge erlebt und auch durchlitten habe. Kämpfe mit mir und mit der Welt geführt habe.“

Ein wenig erstaunt hat mich, dass manche BloggerInnen tatsächlich in erster Linie für sich allein zu schreiben scheinen: Tina (Tina’s Augenblicke, hier) etwa: „Es ist mir ziemlich egal, wie viele Follower kommen oder gehen. Das hört sich vielleicht hochnäsig an, aber ich betrachte diesen Blog als meine persönliche Spielwiese. Hier ist meine Plattform, die ich genau so haben möchte. Ich freue mich über die lieben Menschen, die meinem Blog folgen, lesen und auch kommentieren. Andererseits mache ich auch weiter, wenn keine Reaktion von anderen kommt.“ Oder Christiane, Pflaumbaumlaube: „Auf meine spirituellen Texte bekam ich bisher noch keine Resonanz. Damit können wohl leider auch meine Freundinnen nicht viel anfangen. Doch das hindert mich nicht daran, weiterzuschreiben.“

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Ansprüche/Wünsche an die eignen Inhalte

Kato von Innocent Glow verabschiedet sich in ihrem Beitrag von der Idee, ein Lifestyle-Blog betreiben zu wollen: „Ich möchte nicht meinen Alltag bei Snapchat mitfilmen. Ich halte meinen Modegeschmack nicht für besonders genug, um ihn online zu stellen. (…) Ich will mir keine Tulpen oder Sukkulenten kaufen, nur um mit Bildkompositions-Trends mitzuschwimmen.“ Aber sie hat sich „eine Regel aufgestellt: Bevor ich einen Blogpost veröffentliche, gehe ich im Kopf eine Reihe von Menschen durch und überlege mir, ob es mir unangenehm/peinlich wäre, wenn diese Personen ihn in die digitalen Finger kriegen würden.“

Petra, törichtes Weib, hat klare inhaltliche Ziele: Sie möchte „Denkanstöße geben“: „Habe Themen wie den Tierschutz, vegane Lebensweise, Natur- und ja auch Menschenschutz die mir sehr wichtig sind. Dazu möchte ich gerne etwas beitragen.“

„Manchmal wünsche ich mir, dass meine Blog-Beiträge etwas bewirken“, stellt Helmut Achatz hier fest.

Ein wichtiges Anliegen hat auch Karin Austmayer in ihrem Blog sweet sixty hier: Sie will Tabus abbauen: „ Im neuen Jahr wird es zum Beispiel eine Beitragsreihe über Sex und Erotik geben mit Tipps und eigenen Erfahrungen. Kein Problem, denn auch das gehört zum Leben und ist gerade für unsere Generation oft ein Thema.“ Wohlgemerkt: die Frau ist Anfang 60.

„Mein Anspruch ist, dass Frauen von meinen Erfahrungen profitieren und Hilfestellung erhalten, um eigene Lösungen für ihre Lebensherausforderungen zu finden.“ Septemberfrau.

Katrin alias Musikhai hat sich hier selbst einen klarer Regelkanon aufgestellt: „Das Idealbild setze ich selber: Information, Unterhaltsamkeit, keiner darf dabei verletzt werden, korrekte Rechtschreibung (soweit ich das schaffe). Wenn diese Punkte eingehalten werden, ist Offenheit kein Problem. Das erreiche ich, indem ich auf mein ‘Bauchgefühl’ höre. Wenn ich zweifele, lasse ich vor der Veröffentlichung meine Entwürfe von anderen lesen.“

Für Tina (Tina’s Augenblicke, hier) ist ganz klar: Ihr ist Ehrlichkeit so wichtig, dass sie schreibt: „Bevor ich eine Wahrheit verbiege  schreibe und rede ich nicht darüber.“

„Gerade Artikel mit Tiefgang und Persönlichkeit bereiten mir die größte Freude und kommen auch bei meinen Lesern am besten an. Ich liebe es, etwas von mir preiszugeben, andere teilhaben zu lassen und scheue Offenheit nicht.“ Klares Statement von der „Checkerin“. Und: „Wenn ich mir in einer emotionalen Situation Luft verschaffe, dann bin ich ich. (…) Deshalb versuche ich auch immer all das, was mich beschäftigt, sofort los zu werden – eben weil ich die Authentizität so wichtig finde.“

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Ist Offenheit gleichbedeutend mit „Authentizität“?

Es zeigt sich deutlich: Ein in vielen Beiträgen wiederkehrender Wunsch ist der nach Authentizität. Ganz klar schreibt zum Beispiel Dani von „Glucke und so“ hier: „Ich bin authentisch und schreibe authentisch und mache das für mich.“

„Ich möchte authentisch rüber kommen und denke, das gelingt mir auch. Eine wie auch immer gelebte ‚Spaltung‘ zwischen meiner Netzidentität und meiner realen Wirklichkeit wäre mir viel zu anstrengend. Beim Thema ‚Ideal‘ fallen mir allenfalls Wünsche ein, wie ich gerne mehr, besser, intensiver, tiefer schürfend bloggen könnte.“ (Claudia Klinger, hier)

Oder AnnaLenaKat: „Man kann es eh nie allen ‚recht machen‘ und mir ist eher wichtig, authentisch zu bleiben.“ Dabei betont sie: „Wieviel ich im Netz somit von mir mitteile, wäge ich anhand des Themas ab. Versuche, nicht zu nerven, informativ, deutlich, beherzt, humorvoll oder ironisch zu schreiben – und immer authentisch zu bleiben.“

Dass der Wunsch nach Authentizität nicht so ganz einfach zu realisieren ist, führt uns nachdrücklich Weltenbewegerin Yasemin vor Augen. Sie fragt: „Darf ich authentisch sein“?“ Und bekennt gleich zu Anfang: „Ich habe Angst. Ich habe Angst davor bewertet, bemessen und in vorgefertigte enge Schubladen gesteckt zu werden.“ Sie belässt es nicht bei einfachen Antworten, nein: Sie fragt auch nach dem WARUM: Warum ist es nicht so einfach, authentisch zu sein, wie – das beweisen zahlreiche Beiträge – sich das viele BloggerInnen wünschen? Erste Antwort: „Das heutige Zeitalter des Internets enthüllt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es einfacher, seine persönlichsten Gedanken einer großen Masse kundzutun, andererseits ist es auch für andere umso einfacher, unbedarft und verständnislos ruppig darauf zu reagieren.“ Kaum realisierbare Ideale wie Makellosigkeit, Perfektion oder Norm-Erfüllung tun ihr Übriges, um Authentizität fast unmöglich zu machen. Wichtiger Gedanke auch: „Das Fehlen von Fehlern führt aber zur Stagnation. Wer Fehler nicht einräumt, nicht sieht und reflektiert, kann sich nicht entwickeln.“ Zweite Antwort – und für mich hier vorläufiges Fazit: „authentisch zu sein ist in einer Welt nicht möglich, in der vermeintlich gesellschaftliche Erwartungshaltungen darüber herrschen, wie man zu sein hat.“ Ziel kann dann nur sein, dass „wir Gleichgesinnten uns erkennen. Deswegen habe ich die schwierige Entscheidung getroffen, offen und mutig mich im Netz zu zeigen. Voller Emotionen, visionärer Gedanken und kritischen Hinterfragungen.“
Ganz ehrlich: Dieser Beitrag bringt mich an meine Grenzen…. Ich finde ihn grandios, versuche hier aber, eine Zusammenfassung zu schreiben. Und darum muss ich euch bitten: Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, geht am besten direkt zu dem Beitrag: hier.

Aaaber! Die Sache mit der Authentizität hat es wirklich in sich…. Daran erinnert auch Kirsten Fuchs: „Wahrscheinlich würden viele sagen, dass sie so sind, wie sie sich auf den Plattformen geben. Authentisch sagt man da. Ich mag das Wort nicht sonderlich, denn ich kenne viele eher unauthentische Menschen, die ausgerechnet dieses Wort total gerne benutzen „Hach jeh, dieser kaputte Scheune ist aber authentisch!“ Oder wenn sich jemand nicht ganz den gesellschaftlichen Normen entsprechend verhält (als versteckte Kritik vielleicht sogar) „du bist so authentisch“ (weil man gerülpst hat?)“

Auch und gerade in der Welt der Lifestyle-Blogs ist beileibe nicht alles Gold, was da so zu glänzen scheint. Dann wird auch die Sache mit der Authentizität schwierig. Das betont ganz entschieden Zimtschnute: „Blogger sind auch nur Menschen… Menschen mit Eheproblemen, Kindern die einfach nicht hören wollen und Nachbarn, die einen täglich auf´s neue zuparken, Post klauen und den Dreck vom Hausflur unter deren Türmatte schieben.“ Und sie wird noch konkreter: „Von mir gibt es wenig bis gar keine Outfit-Fotos, weil ich zwei Wäscheständer im Schlafzimmer vor dem Spiegel stehen habe und alles in einem Radius von 5 Metern nach Chaos aussieht und ich dies alles aus dem Zimmer entfernen müsste.“

Weibswort versucht ebenfalls, die Authentizität zu relativieren, wenn auch aus einem ganz andren Blickwinkel: „mittlerweile hat sich für mich herauskristallisiert, dass Authentizität für mich nicht gleichbedeutend mit einem Seelenstriptease sein muss. Es besteht einfach keine Notwendigkeit, all meine Befindlichkeiten zu 100 Prozent ins Blog zu setzen.“

Teil 2 gibts hier.

Das Allerwichtigste aber: Ganz, ganz herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben!

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15 Kommentare


  1. Da hast Du Dir ja echt eine Arbeit ausgesucht und dann so toll erledigt. Vielen Dank. Ich habe einige ganz tolle neue Blogs kennen- und schätzen gelernt.
    Mit Deiner Blogparade hast Du wirklich ganz viele verschiedene Blogs angesprochen und dann Deine Zusammenführung hier große Klasse.
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend,
    liebe Grüße
    Kirsi

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  2. Also Hut ab meine Liebe… Das alles auszuwerten, sich jeden Beitrag durchzulesen und dann noch in solch einen spannenden Bericht zu stecken… Egal was du dir danach gönnst – du hast es dir verdient 😉

    Ich finde die Blogparade und auch die Reaktionen darauf super spannend und werde weiterhin alles verfolgen. Wie viele sich dann doch noch angeschlossen haben ist der Wahnsinn… und soviel unterschiedliche Meinungen und vor allem welch Erfahrungen viele dadurch gemacht haben…

    Herzlichen Dank für deine Arbeit und das du uns alle nochmal dazu gebracht hast, darüber nachzudenken, das das Internet vielleicht doch nicht so schnell vergisst und wir uns vorher überlegen sollten, wie viel Privates in den Blog gehört.

    Hab ein schönes Wochenende 🙂
    Sabine

    Antworten

  3. Liebe Maria,

    deine Vernetzungsarbeit ist beeindruckend und gerade heutzutage gar nicht genug wertzuschätzen! Du sorgst dafür, dass die freundliche Seite der „Kommunikation im Internet“ nicht in Vergessenheit gerät.

    Dafür hast du einen Orden verdient, den ich dir – natürlich mit einer ordentlichen Laudatio – hiermit verleihe:

    Großer Vernetzungsorden am goldenen Band für: Maria Al-Mana – das Unruhewerk

    Danke, danke, danke für deine Arbeit und dein Engagement!

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  4. Ich bin begeistert über Deine Auseinandersetzung und Abwägung von Offenheit und Authentizität, liebe Maria!

    Blogparaden bekommen für mich so einen RICHTIGEN Sinn!!

    Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil 🙂

    Liebe Grüße
    Evelyn

    Antworten

  5. WOW!!! Was für eine MammutAufgabe…. aber die Zusammenfassung ist Dir wirklich gelungen!
    Ich werde mir noch mal den einen oder anderen Beitrag ansehen (hab bisher leider nicht alle gelesen!).
    Bin schon auf Teil zwei gespannt und danke Dir für diese wunderbare BlogParade!!
    LG, Petra

    Antworten

  6. Eine wunderbare Zusammenfassung, da bin ich gespannt auf Teil 2.
    Ich bin erfreut, dass sich so viele BloggerInnen, die Mühe gemacht haben, an dieser Blogparade teil zu nehmen. Und die unterschiedlichen und teilweise ähnliche Gedanken, die ich auch habe, sind spannend zu lesen. Jetzt habe ich wieder einige neue Ziele zu erkunden. Denn durch deine Challege habe ich neue Blogs entdeckt, die ich sonst eher nicht gefunden hätte.
    Vielen Dank und lieben Gruß
    Tina

    Antworten

  7. Hab ich mit großem Interesse gelesen, Dank deiner gekonnten Zusammenfassung. Bravo deine Intelligenz, dein Verständnis, dein Fleiß und deine Systematik beim Auswerten!

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  8. Du wertest das alles nochmal separat aus? Wahnsinn, wie viel Arbeit du dir machst!

    Und noch einmal DANKE für diese tolle Blogparade. Ein sehr interessantes Thema und ich fand es sehr spannend, mal zu lesen, wie es andere Blogger mit diesem Thema halten. 😉

    LG Sabine

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    1. Ja, ich fand, das war ich euch schuldig… Und mich selbst hat es auch interessiert. Sieht ja alles noch mal ganz anders aus, wnen man die Dinge bündelt, Kernausagen findet etc. Ja: War viel Arbeit, hat aber Spaß gemacht!
      Herzlichen Gruß
      Maria

      Antworten

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