Bloggen mit Claudia Klinger…. Oder: Die Kunst des Alterns

Ich wollte diesen Beitrag ursprünglich den „Kosmos der Claudia Klinger“ nennen. Doch ich vermute mal, wie bei jedem Menschen wird auch Claudia Klingers Kosmos vermutlich aus mehr als „nur“ ihren Blogs bestehen. Von denen rede ich aber hier. Sie allein sind aber wirklich schon eine Welt für sich…. Sieben an der Zahl.

Und natürlich schreibe ich hier unter anderem deshalb von ihr, weil sie – Jahrgang 1954 – eine 50plusBloggerin ist. Und sich auch auf unsrer Plattform Blogs50plus angemeldet hat. Doch das ist noch lang nicht alles….

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Das wilde Gartenblog von Claudia Klinger: http://www.das-wilde-gartenblog.de/.

 

Bloggen: persönlich, manchmal kontrovers, immer lebendig

Da ist zum Beispiel ihr Gartenblog: Geboren aus und in einem wunderbar verwilderten Garten, den sie gepachtet hatte. Als sie dann keine Pächterin mehr war, betrieb sie den Blog trotzdem weiter. Bereits 2013 erschien ihr Buch „unverbissen vegetarisch“ (genialer Titel, finde ich…) – bis heute füllt sie den gleichnamigen Blog regelmäßig mit Beiträgen und Rezepten. Oder der „Umsteigerblog“ – von der Zigarette zum „Dampfen“ per E-Zigarette. Für manche vielleicht eine Privatangelegenheit, ein Spleen gar – nicht für Claudia. Sie machte daraus ebenfalls eine kleine Welt, mit Tipps und Links, viel Diskussion, manchmal auch ein bisschen kontrovers. Und hier sind wir – aus meiner Sicht – bei DEM Punkt, der in der ganzen Bloggerei das Allerwichtigste ist: bei Kommunikation, bei lebendigem Austausch. Manchmal kabbelt man sich mit Leserinnen und Lesern, manchmal schießt man übers Ziel hinaus, wird SEHR persönlich – und bereut es dann vielleicht ein paar Sekunden lang (naja, ich rede hier jetzt eher von mir, nicht von Claudia). Wie ich liebt sie Blog-Serien, träumt von Kontinuität – und erreicht die auf beeindruckende Weise: Sie bloggt nämlich schon seit 1999 – mit dem „digital diary„, Untertitel: „Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück.“ Und dann gibt es noch den/die/das beruflich inspirierte Blog der Diplom-Designerin, die unter anderem auch Webpräsenzen entwickelt: Das WebWritingMagazin, das handelt „vom Schreiben, Publizieren und Kommunizieren im Internet“. Und um es vollständig zu machen: Da wäre dann noch das Modersohn-Magazin, ein Blog aus Berlin, rund um eine Brücke, in deren Nähe sie lebt.

Von „echten Menschen“

Ich finde, sie ist oft regelrecht mutig. Und dafür bin ich ihr sehr dankbar – wie ich überhaupt all jenen dankbar bin, die in ihren Blogs als „echte Menschen“, also mit Fehlern und Schwächen sichtbar werden… Ich zum Beispiel möchte bestimmt nicht über meinen privaten Fleisch- und/oder Zigarettenkonsum bloggen (na gut: das eine eher wenig, das andre eher zu viel), Claudia aber tut es. Und das führt mich zu meiner Lieblingsfrage aus den Zeiten meines eignen Blogbeginns zurück: Wie viel Privates, wie viel Offenheit braucht/verträgt ein Blog? (Hier nachzulesen.) Diese Frage begleitet mich ständig – denn ich habe sie für mich noch immer nicht abschließend beantwortet. Werde ich wohl auch nie ….

Streitkultur, Veränderungen, Kontinuität….

Und Claudia ist ehrlich. All diese Vielfalt, der Anspruch an Kontinuität, Streitkultur und inhaltliche Qualität… Das alles als Selbstständige „so nebenbei“ und ohne Bezahlung/Werbung…  Da MUSS es schon mal Brüche geben. Die nicht jede/r versteht. So zeigte sich einer ihrer Leser irritiert davon, dass sie immer wieder große Themen startet, öffentlich private Ziele propagiert – und dann der (unweigerliche – meine Meinung!) Einbruch folgt… Claudia antwortet darauf: „Nach deinen Vorgaben müsste ich das Bloggen ganz lassen! Dann könnte ich nämlich NIE in einer hoch motivierten Phase, in der ich irgend etwas beginne und konsequent verfolge, ein ‚Blog zum Thema‘ eröffnen oder eine Artikelserie schreiben! Denn ich kann nie sicher sein, wie lange das Engagement anhält, ob es sich nicht verändert, auch mal wieder wegen anderer Prioritäten nach hinten rückt und und und! […] Ganz allgemein wirst du von mir kaum Aussagen ‚für immer und ewig‘ finden – schließlich ist mir schon lange bewusst, dass diejenige, die aktuell etwas umsetzt und anstrebt, nicht zwangsläufig über Jahre diesselbe bleibt.“

Allein dafür könnte ich Claudia Klinger knutschen! Und für vieles andere auch ….

Die Kunst des Alterns

Ja. Wir können, sollten und werden uns verändern. Auch im Alter. Vielleicht grade dann? Warum denn auch nicht! Noch wichtiger: Auch mit dem Älterwerden sind wir Veränderungen nie einfach nur ausgeliefert. Wir können sie durchaus beeinflussen. Dann ist es vielleicht eher Entwicklung als Veränderung. Wir können beispielsweise all die „negativen Vorzeichen“, Gedanken und Gefühle weglassen. Claudia Klinger plädiert entschieden für solches Denken:  Zum Thema „Zipperlein“ und nachlassende Vitalität sagt sie: „Ich könnte da detaillierter klagen, mache das aber nicht. Mache es auch nicht mir selbst gegenüber, weil es ja doch gar nichts bringt. Auch die Existenzangst lasse ich nicht an mich heran, obwohl ich weiß, dass ich mit ‚Grundsicherung‘ die jetzige Wohnung nicht werde halten können, genauso wenig wie den Rest meines eher bescheidenen Lebensstandards. Gelassenheit muss ich nicht wirklich üben, sie ist – zumindest bis jetzt – einfach da. Wie es sein wird, wenn ich mal nicht mehr mit dem Rad 20 Minuten in den Garten fahren und dort arbeiten kann, will ich mir gar nicht erst ausmalen. Es reicht, sich mit den Schrecknissen auseinander zu setzen, wenn sie eintreten, denke ich mir. Mal schauen, wie weit diese Art ‚Kunst des Alterns‘ trägt.“

Genau! Die Kunst des Alterns. Das ist der Titel ihres Blogs zu „unsrem Thema“, schön auch der Untertitel: „Für fortgeschrittene Erwachsene“. Und das obige Zitat stammt aus einem Beitrag, in dem sie sich mit dem Phänomen beschäftigt, wie das Alter die Vorstellungen vom Altern verändern kann. Grundlage dafür ist der Text eines anderen Blogs: Auf „Beziehungsweise weiter denken“ schreibt Monika Krampl darüber, wie sich die 50-jährige das Altwerden vorstellte – und wie die heute 67-Jährige es erlebt hat. Auch das ist wichtig: Claudia Klinger ist eine fabelhafte Netzwerkerin – auch ich verdanke ihr in dieser Hinsicht viel.

Die Kunst der Blogrolls

Die Kunst, sich untereinander zu vernetzen, zu empfehlen, auf anderen Blogs zu kommentieren ist ja leider nicht mehr allzu weit verbreitet. Es macht Arbeit. Und verrät auch viel über die jeweiligen Blogbetreiber/innen. Über Claudia Klinger verrät es mir vor allem: Die Frau liebt Blogs. Und sie nimmt das Bloggen ernst. Nicht, um Geld damit zu verdienen. Sondern um Dinge zu diskutieren, Fragen zu stellen, Antworten zu suchen, Menschen anzustupsen. Und zu begleiten. So hat sie gleich vier gehaltvolle Empfehlungslisten („Blogrolls“) online stehen: „meine Blogbibliothek, Teil 1 und Teil 2“ und Teil 3, zum „Weltgeschehen“ sowie die Geschlechterblogs.

Alt oder nicht… manches geht uns alle an

Zum Schluss noch eins meiner Lieblingszitate von ihr: „Ganz allgemein wünsche ich mir mehr Menschen, die ihre eigenen Unperfektheiten nicht krampfhaft verbergen. Dieser Hochglanz-Lifestyle, der uns aus so vielen Selbstdarstellungen entgegen schreit, ist doch nervig und stärkt nur das Minderwertigkeitsempfinden vieler wenig selbstbewusster Menschen. Vielleicht auch ein Faktor, der ganz subtil zur Verrohung der Sitten beiträgt.“

6 Kommentare


  1. Was für ein liebevoller Artikel über eine vielseitige Bloggerin, die ich noch nicht kannte. Habe gleich mal bei „Kunst des Alterns reingeschaut“ – sehr lesenswert. Dankeschön für die Anregung, Maria!

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  2. Ich habe schon oft Artikel über Blogs, Böoggerinnen oder Blogger gelesen. Aber so einen schönen noch nicht. Ich kenne Claudia als engagierte Bloggerin schon einige Jahre. Aus meiner Sicht hättest du sie und ihre „Leidenschaft“, das Bloggen bzw. ihre Blogs, nicht besser beschreiben können. Herzlichen Dank für den schönen Text.

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