„Altwerden ist nichts für Feiglinge!“ Eine 73-jährige Schwedin bloggt aus Berlin

Cecilia Stickler darf sich sehr zu Recht in die Kategorie „Blogs 70plus“ einreihen…. Auch, wenn das kein Mensch glauben mag, der sie sieht, liest, trifft. Und ich hatte schon das Vergnügen. Sie ist lakonisch, witzig, selbstironisch und sagt: „Altwerden ist nichts für Feiglinge – aber macht doch so viel Spaß!“ Ihr Thema ist klar: Sie bloggt „über das Leben und von dem Leben einer schwedischen Rentnerin in Berlin.“ Genau das ist sie…

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Foto: Schönarting

 

Liebe Cecilia, seit wann bloggst du?
Ich glaube, seit drei Jahren.

Gab es eine „Initialzündung“ zum Start deines Blogs? 
Nee, nicht so eine richtige Initialzündung, dass ich morgens geläutert aufgewacht bin und gesagt habe „Ich werde Bloggerin!“. Das eher nicht…. Ich schreib halt so gerne und habe von lieben Menschen positiven Respons bekommen, da dachte ich:  „Jetzt oder nie!“

Junge Männer finden Cecilia gut

Für wen vor allem schreibst du? Wer ist deine wichtigste Zielgruppe?
Für jeden Menschen, der das lesen möchte. Ich glaube, ich habe keine Zielgruppe. Manchmal bekomme ich bei Facebook positive Daumen von jungen Männern und wundere und freue mich: Pah, die lesen das und finden es gut!

Haben sich Themen und Zielgruppen im Lauf der Zeit verändert?
Nein. Dachte am Anfang, ich schreibe den schwedischen Blog als Berlin-Blog für Leute die hierherkommen aber davon bin ich abgekommen. Bin eben gefühlsgesteuert…..

Was war dein schönstes Blog-Erlebnis?
Ach sie sind alle schön, wenn irgendjemand Respons gibt und das gut findet oder sich freut.

„Ich schreibe nur, was gerade in die Tasten muss“

Gab oder gibt es Momente, in denen du denkst, „och nö! Bloggen ist eine ganz blöde Idee – hätte ich das bloß nie angefangen!“? 
Nein, ich schreibe vielleicht nicht mehr so oft, aber das macht ja nichts. Man sagte mir, ich müsste jeden Tag schreiben – aber ich glaube, das nervt eher.

Wie sieht  es aus mit der Technik: Hattest – oder hast du –  technische Schwierigkeiten? Wie löst du die? Allein oder mit fremder Hilfe? Oder flutschte es von Anfang an perfekt? Sollte das der Fall sein: Wie hast du das hingekriegt?
Oh nein, ein lieber Mensch hat mir geholfen – wenn nicht, wäre nix aus meinem Blog geworden. Jetzt weiß ich, wie ich es mache und wenn Probleme sind, nerve ich den guten Geist..

Glaubst du, dein Blog ist irgendwie anders als der von etwa 20 Jahre jüngeren Menschen? Wenn ja: In welcher Hinsicht?
Na klar, ich bin 73 und habe natürlich andere Gedanken als die 50-Jährigen. Logischerweise! Ich versuche auch, nichts mit Mode zu machen oder gute Ratschläge zu geben, ich schreibe nur, was gerade in die Tasten muss…. Gedanken, Unmut, Glück….

Jetzt oder nie!

Was ist mit dem Zeitfaktor? Wie viel Zeit pro Woche wendest du für deinen Blog auf? Wünschst du dir, es wäre mehr? 
Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich brauche, ist doch ganz unterschiedlich, wenn mir aber was in den Fingern brennt, geht es flott.

Wie hältst du es mit Werbung in deinem Blog?
Ich glaube nicht, dass irgendjemand bei mir Werbung machen möchte, ich habe doch viel zu wenig Leser und bin nur ein kleines Licht.

Was für Blog-Pläne hast du für die Zukunft?
So weitermachen, bis der Sargdeckel zuklappt.

Herzlichen Dank, liebe Cecilia!

Cecilia Stickler ist natürlich auch auf der Plattform www.blogs50plus.de vertreten – sie war sogar eine der Ersten, die sich dort angemeldet haben. Es geht um das Älterwerden und Sichtbarbleiben. Da ich diese Plattform gemeinsam mit Uschi Ronnenberg gegründet habe, stelle ich deren Blogs, besser gesagt, ihre Betreiber/innen hier nach und nach einzeln vor. Und: Wer selbst bloggt, 50plus ist und das ab und zu thematisiert, kann sich jederzeit kostenlos ebenfalls auf dieser Plattform anmelden, herzlich willkommen!

Und: Wir sind nominiert!

Ja, wir alle – sprich: die ganze Plattform – sind als Menschenvernetzer nominiert, zu DEM Online-Preis der Frankfurter Buchmesse 2017, dem Orbanism-Award, organisiert unter anderem von Leander Wattig. Wer für uns voten möchte: Nur zu, sehr gern 😉

12 Kommentare


  1. Was sagt das Alter denn schon aus, wie erfahren man ist und ob man noch kindisch sein kann.

    Ich habe schon oft Rentner gesehen, die tanzen fast besser wie Jugendliche. Manche können den jüngeren mehr beibringen, als andersrum.

    Eine Gemeinsamkeit habe ich auch gefunden aus dem Interview 😉

    „Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich brauche, ist doch ganz unterschiedlich, wenn mir aber was in den Fingern brennt, geht es flott.“

    Bei mir ist es auch sehr unterschiedlich und ich mache es aus Freude und Lust zum Schreiben

    LG Stephan (der noch nicht ganz 50plus ist)

    Antworten

    1. Hallo Stephan,

      alles richtig, was du schreibst! Und doch: Manchmal braucht man irgendeinen Fixpunkt, um Dinge besser einordnen zu können. Ich jedenfalls brauche das … Darum die „50plus“. Aber natürlich bleibt auch dann noch alles relativ. Manchmal denke ich auch: „Puh, da wirkt jemand mit 25 schon ziemlich alt!“ Cecilia dagegen wirkt in vielerlei Hinsicht unglaublich jung …

      Und ganz sicher sind Freude, Lust und „brennende Finger“ die besten Stimulantien, um egal welches Alter vergessen zu lassen – vor allem beim Schreiben!

      Danke für die Rückmeldung!
      Herzlichen Gruß
      Maria

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  2. Liebe Maria, danke für die Veröffentlichung – komme mir schon fast etwas berühmt vor! Und macht nach wie vor Spass zu schreiben! Dir lieben Dank Maria!

    Antworten

    1. Liebe Cecilia,
      es war mir ein Vergnügen! Und wenn du wirklich „berühmt“ werden willst, könnte ich dir dabei helfen… Aber ich denke eigentlich, der „Promi-Status“ wird meist überschätzt 😉
      Herzliche Grüße
      Maria

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  3. Irgendwie wird es immer besser. Letztes Jahr war mein 70. Geburtstag und das war der beste meines Lebens. Ein sehr guter Freund, halb so alt wie ich, hat mich 2 Tage nach Holland „entführt „, es war eine große Überraschung und Freude. Gerade habe ich bei einer Kochshow im ZDF mitgemacht, zum Sieg hat es nicht gereicht, aber es war eine lustige Erfahrung. Ich bin so frei wie nie zuvor in meinem Leben, meine beiden Söhne sind erwachsen und ich lebe allein. Und das ist gut so. „Alt sein“ ist so eine gesellschaftliche Vereinbarung, finde ich, es ist der Blick von Außen, – der eigene Blick von Innen nach Außen, kann ganz anders sein. Ich habe mich früher nie jung gefühlt, warum soll ich mich jetzt alt fühlen? Ich habe viele Freunde, die Älteste ist 87 J. und die Jüngste 23 J.und alle kommen gern, es ist ein guter Austausch und Dank meines großen Netzwerks konnte ich auch vielen Flüchtlingen helfen. Alter ist nicht mein Problem, ich bin ein Spätstarter und es wird langsam spannend .

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    1. Liebe Dorothea,

      wow, perfekt!!! „Ab 70 wird es langsam spannend“ -. eines Tages werde ich dich zitieren 😉
      Danke fürs Mutmachen!!!

      Herzlichen Gruß
      Maria

      Antworten

  4. Cecilia ist eine tolle Frau. Ich bin seit einiger Zeit auch mit ihr in Kontakt. Sie ist geradezu und sagt was sie denkt und das ist auch gut so. Bei Blogs50plus bin ich nun auch dabei, habe schon viel gestöbert und einige Blogs auch abonniert. Auch ein reger Austausch freut mich. Ich gehe im nächsten Jahr in Rente und habe dann hoffentlich die Zeit, alles zu machen, wozu ich jetzt keine Zeit habe.
    Herzliche Grüße
    Gudrun

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  5. Sehr gut! Ich freue mich über jede Bloggerin, die auch die 60 schon überschritten hat, so wie ich. Ich schreibe auch nach Lust und Laune meinen Blog. Wenn man kein Geld damit verdienen muß ist das sehr entspannend und es macht mir Freude mit Menschen in Verbindung zu bleiben. Ich hatte fast 40 Jahre ein Jeansgeschäft, da fehlt mir manchmal der Austausch mit so vielen verschiedenen Menschen.
    Lg. Gabi

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    1. Liebe Gabi,
      ja, das fürchte ich auch: Ab einem „gewissen Alter“ kommt der Austausch, bzw. seine Möglichkeiten nicht mehr von selbst, sondern du musst ihn aktiv selbst suchen. Auch das verstehe ich übrigens unter anderem unter „Sichtbarkeit“ – und dabei sind Blogs und Netzwerke eine tolle Hilfe… Jedenfalls, wenn die Menschen so nett sind wie die „50plus Blogger/innen“…
      Herzlichen Gruß
      Maria

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    2. Liebe Gabi,

      auch ich bin über 60 und ich liiiiiebe meinen Blog. Und es macht mir eine Riesenfreude damit Menschen zu helfen.

      Ja und der Austausch ist auch wunderbar, ich habe meine MasterMindGruppe, die aus wesentlich jüngeren Menschen besteht. Ich bin da die „Oma“ obwohl ich mich keinen Tag älter als 38 fühle.

      Aber auch hier in der „Gemeinde der 50plus-Bloggerinnen“ fühle ich mich sehr wohl.

      Herzliche Grüße
      Barbara

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      1. Liebe Barbara,

        sag das bitte nicht so laut! Am Ende heisst es noch, man müsse gar nicht 50 sein, um auf den Blogs50plus gelistet zu werden… 😉

        Herzlichen Gruß
        Maria

        Antworten

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