Christiane Dreher, Christine Cazon: eine Frau bloggt, schreibt & und spricht über das Älterwerden

Christiane Dreher, Christine Cazon: eine Frau bloggt, schreibt & und spricht über das Älterwerden

„Mit Anfang 40 für ein Jahr nach Frankreich gegangen und immer noch dort. Ein Blog über das wundervolle und dennoch anstrengende Leben in Frankreich, mit einem französischen Mann, dessen Familie und (nur noch) einer Katze. Das alles mal in einem Bergdorf, mal an der Côte d’Azur“, schreibt sie, als sie bei blogs50plus ihren Blog Au fil des mots vorstellt. Im Impressum des Blogs steht ihr „erster Name“: Christiane Dreher. Erster Name?! Ja, denn es gibt noch einen zweiten – und unter dem ist sie Buch- wie Frankreichfans vielleicht auch schon mal begegnet: als Christine Cazon schreibt sie Krimis. Ich habe angefangen, den Spuren von ihrem Kommissar Duval zu folgen: durch das bestenfalls partiell idyllische Cannes, in die dahinter liegenden Seealpen, quer durch Illusionen, Korruption, Sehnsucht, Routinen, Verfall und Neubeginn … Man kann sagen: Ich bin angefixt. Und schreibe auch bald darüber. Jetzt aber erst mal zu meinem kleinen Interview mit dieser spannenden Frau – über das Bloggen und Älterwerden, was denn sonst?!

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Foto: Stephan Gabriel, Hamburg

Liebe Christiane, seit wann bloggst du?

Ich blogge seit dem Herbst 2007. Mein allererster Blog hieß „Bergmeldungen“, den ich schon nach ein paar Monaten der Zeitschrift „Brigitte“ für ihre Onlineseite anbot. Seit Februar 2008 und bis Juli 2010 schrieb ich den Blog „French Connection“ auf brigitte.de. Dort wurden die Blogs irgendwann eingestellt und seitdem schreibe ich über mein Leben in Frankreich unter „Aufildesmots“.

Gab es eine Idee, einen Traum, einen bestimmten Ansporn beim Start deines Blogs? Wenn ja: welchen?

Ich bin 2005 zunächst für ein Jahr nach Frankreich gegangen und wollte meiner Familie und meinen Freunden aus meinem französischen Bergleben erzählen; die ersten Jahre hatte ich nur lange Mails verfasst, die ich an alle schickte. Eine Freundin ermunterte mich, daraus mehr zu machen, so startete ich einen Blog.

Von der unbezahlten Bloggerin zur Autorin

Die Reaktionen, die ich bekam, waren so positiv, dass ich wagte, mich damit bei brigitte.de zu bewerben. Es gab damals keinen Blog aus Frankreich und vor allem keinen, der vom Berg- und Landleben berichtete. Ich glaubte damals auch, dass das Bloggen für brigitte.de, anders als das private Bloggen, bezahlt sei und ich hoffte ebenso, mit diesem Blog deutsche LeserInnen als Gäste für die Auberge zu gewinnen, die ich mit meinem ersten Mann Patrick führte.

Hat sich diese Idee „woandershin“ entwickelt als vorher gedacht?

Ja, absolut. Bezahlt war das Bloggen nämlich nicht, Gäste habe ich auch keine über den Blog gefunden, und nur sehr wenige meiner Freunde und Bekannten sind Blogleser geworden. Manchmal seufze ich, wenn ich mir gerade zum Tod und zur Beerdigung meiner Schwiegermutter buchstäblich die Seele aus dem Leib geschrieben habe und Wochen später eine Freundin unwissend fragt, wie es eigentlich meiner Schwiegermutter gehe. Die, mit denen ich über den Blog Kontakt halten wollte, lesen ihn nicht. Dafür aber jede Menge andere.

Und wohin ging es stattdessen?

Die Sichtbarkeit meines Blogs auf brigitte.de war außergewöhnlich und auch wenn das Schreiben dort nicht bezahlt war, wie ich ursprünglich gehofft hatte,  haben sich viele Kontakte und Projekte daraus entwickelt: Mir wurde zunächst angeboten, aus dem Blog ein Buch zu machen. Zwischen Boule und Bettenmachen entstand so. Später erhielt ich eine Anfrage einer Redakteurin, die für eine wöchentlich erscheinende Frauenzeitschrift eine Kolumnistin suchte. Dort wurde ich zum ersten Mal für das Schreiben bezahlt! Eine zweite Kolumne folgte und so begann meine Schreibkarriere. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet!

Spielt das Älterwerden beim Bloggen/bei der Auswahl der Themen für dich eine Rolle? 

Ja. ich schreibe über mein Leben, dazu gehören auch das Älterwerden und schwierige Themen wir Krankheiten. Ich habe seinerzeit über die Krebserkrankung und das Sterben meines ersten Mannes geschrieben, es war noch recht ungewöhnlich, so etwas öffentlich zu machen. Aber es war mir ein Bedürfnis geworden, mich mitzuteilen. Ich bekam unendlich viele, liebevolle und tröstende Rückmeldungen.

Wie Themen sich mit dem Älterwerden ändern

Kürzlich schrieb ich über die Demenz und den Tod meiner Schwiegermutter. Mein Älterwerden (ich hatte eine Krise als ich 50 wurde; die Menopause hat mich eine Zeitlang gebeutelt, die Veränderung meines Körpers auch) versuche ich in amüsanten Beiträgen zu behandeln. Dennoch hat der erste Text über das Älterwerden und die Menopause nicht alle LeserInnen begeistert. Gerade habe ich meine erste (Mini-)Kur gemacht und darüber berichtet. Das sind alles Themen, an die ich vor zehn Jahren noch nicht gedacht habe.

Gibt es einen Zeitplan, einen inhaltlich „roten Faden“ für Blogbeiträge? So etwas wie einen Redaktionsplan? 

Ich schreibe aus Frankreich und über mein Leben dort. Wenn in Frankreich oder in meinem Leben etwas Besonderes geschieht, schreibe ich darüber. Das ist mal in kurzer Zeit viel und dicht: die Attentate, die letzte Präsidentschaftswahl. Oder weniger: im Sommer, wenn ich meinen Kriminalroman zu Ende schreibe, kann es passieren, dass ich zwei Monate lang keinen Beitrag auf dem Blog veröffentliche.

Was ist mit dem Zeitfaktor? Wie viel Zeit pro Woche wendest du für deinen Blog auf? Kommt dir das manchmal auch zu viel vor – und was tust du dann?

Das ist sehr unregelmäßig, wie gerade schon gesagt. In einem langen Blogbeitrag (mit Fotos) stecken immer viel Arbeit und Zeit. Aber wenn ich etwas erzählen will, dann will es raus und ich finde die Zeit, das kann auch spätabends oder nachts sein. Manchmal habe ich nichts Dringendes zu erzählen, dann stelle ich nur ein oder zwei Fotos ein und schreibe ein paar Sätze dazu. Als Zeichen, dass ich noch da bin.

Ist dein Blog rein privat oder gibt es berufliche Themen, Ziele, Wünsche, die sich in deinen Blogbeiträgen spiegeln? Spürst du da manchmal den „Spagat“ zwischen privat und öffentlich – und wie gehst du damit um?

Seit Schreiben zu meinem Beruf geworden ist (ich schrieb ein paar Jahre lang unter Pseudonym wöchentliche Kolumnen und schreibe heute unter dem Namen Christine Cazon Kriminalromane, die in Cannes spielen) hat sich das Blogschreiben verändert. Der Blog steht in arbeitsreichen Phasen erst an zweiter Stelle.

Zwischen Krimischreiben und Alltagskolumne

Zu der Zeit, als ich noch wöchentliche Kolumnen schrieb, verwertete ich Themen, die ich vorher auf den Blog gestellt hätte, in meiner Alltagskolumne, und heute schreibe ich über manche Themen nicht, weil ich sie mir für die Krimis aufhebe.

Ich habe einen zweiten Blog für die Krimiautorin Christine Cazon geschaffen, weil ich privates und berufliches Bloggen trennen wollte, aber es gelingt nicht wirklich. Wer mich als Christiane Dreher unter aufildesmots.biz kennt, weiß, dass ich auch Christine Cazon bin. Es gibt aber vom Blog von Christine Cazon keinen direkten Weg zu Christiane Dreher. Auf dem Blog von Christine Cazon geschieht deutlich weniger. Es ist nur ein „Schaufenster“. Das war anders geplant, aber mehr schaffe ich nicht (ich bin nun auch auf FB und seit kurzem auch bei Instagram mit beiden Namen vertreten).

An welchen Punkten sagst/denkst du: „Ich bin erfolgreich mit meinem Blog“? Oder ist Erfolg gar kein Kriterium für dich?

Mein Blog „Aufildesmots“ ist weniger erfolgreich als „French Connection“, was die Besucherzahlen angeht. Ich hätte vermutlich den Namen nicht ändern und vor allem keinen französischsprachigen Titel wählen sollen. Au fil des mots [gesprochen etwa: ohfildehmoh] heißt „im Laufe der Worte“ und ist ein französisches Wortspiel. Damals gab es diesen Blognamen noch nicht, ich fand ihn sehr originell und ich wollte so gerne ganz französisch sein. Ich schreibe aber deutsch, und deutsche LeserInnen finden mich darüber nicht.
(Anmerkung: Nachdem ich das Interview mit Christiane schon geführt hatte, erschien ihr erster zweisprachiger Beitrag …  Nachzulesen hier.)

Die Sache mit dem „Besucherhoch“ …

Der Blog ist also nicht so riesig bekannt, aber ich habe ausreichend und vor allem sehr treue LeserInnen, viele noch aus Brigitte-Zeiten, das ist toll!

Manchmal werde ich von „berühmteren“ Blogs verlinkt, dann steigen meine Besucherzahlen innerhalb kürzester Zeit ins Unermessliche, verdoppeln und verdreifachen sich. Einerseits denke ich, boah, so viele LeserInnen kann man haben?! Gleichzeitig stresst es mich wahnsinnig, weil ich denke, ich muss die  vielen tausend neuen LeserInnen halten und jetzt schnell wieder was ganz Tolles schreiben, aber das Besucherhoch verschwindet nach ein paar Tagen wieder, ich atme auf und im Prinzip bin ich ganz zufrieden und entspannt mit meiner „kleinen“ treuen Leserschaft.

Wie stehst du zu Werbung auf Blogs?

Ich verstehe durchaus, dass man mit dem Blog, in den man so viel Zeit und Mühe investiert, Geld verdienen möchte. Als ich angefangen habe zu bloggen, war Werbung auf Blogs noch nicht so verbreitet Als dann immer mehr Anzeigen auf privaten Blogs aufploppten, habe ich auch darüber nachgedacht, ob ich das möchte, aber aggressive Bannerwerbung oder Pop-up-Anzeigen finde ich total abschreckend, da habe ich persönlich dann absolut keine Lust mehr, irgendetwas auf diesem Blog zu lesen, und das wollte ich meinen LeserInnen nicht antun.

Empfehlungen ohne Gegenleistung

Ich habe nie aktiv nach einem Kooperationspartner gesucht, dachte aber, vielleicht kommt irgendwann etwas, das passt,  aber es hat sich keine Zusammenarbeit mit wem oder was auch immer ergeben, die ich wirklich befürworten konnte. Gleichzeitig wollte ich mit dem Blog auch immer frei bleiben, mich nicht gezwungen fühlen, regelmäßig zu schreiben, nur damit ich die Bedingungen erfülle, die an so eine Kooperation geknüpft sind.

Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass es mich stört, wenn auf privaten Blogs, die ich gerne lese, immer wieder Anzeigentexte erscheinen, auch wenn sie von den AutorInnen geschrieben und gekennzeichnet sind. Ich lese da dann insgesamt weniger statt mehr. Insofern habe mich dann doch immer gegen (bezahlte) Werbung auf meinem Blog (außer für meine eigenen Bücher) entschieden.

Es gibt heute aber Foodblogs, die ich gerne lese, obwohl dort direkt und indirekt ständig für Küchenzubehör oder Wein geworben wird. Und natürlich wird man auf einem Fashionblog über Modemarken sprechen. Und ein Reiseblogger wird Orte bewerben und wird dafür bezahlt. Das ist völlig in Ordnung. Aber wenn ich manchmal ein Restaurant, ein Buch oder einen Ort empfehle, dann erfolgt es aus eigenem Antrieb und ohne, dass ich dafür eine Gegenleistung erhalte.

Wie sieht es aus mit der Technik: Hattest – oder hast du – manchmal technische Schwierigkeiten? 

Ich habe einen Administrator, der mir die Blogs gestaltet hat und der in technischen Fragen für mich da ist. Ich rufe ihn in der Regel aber nur an, wenn etwas gar nicht klappt.

Es flutscht …

Mein Blog ist ein etwas altmodischer und einfacher Textblog, er war nie explizit für Fotos gemacht. Neuere Blogs bieten heutzutage mehr Möglichkeiten, sehen oft auch viel peppiger aus, aber so lange es auf die althergebrachte Art „flutscht“ mache ich so weiter. Technisch bleibe ich so vielleicht in einer gewissen Mittelmäßigkeit hängen und gebe mich mit weniger zufrieden, aber ich habe (bislang) keine Lust, mich mit einer anderen (neueren) Möglichkeit zu beschäftigen.

Ich denke ja: Bloggen geht nicht ohne gute Netzwerke. Wie siehst du das, was tust du dafür? Und was macht für dich ein „gutes Netzwerk“ aus?

Das sehe ich genauso, aber wirklich aktiv genetzwerkt mit anderen Bloggern (dort lesen, kommentieren, Kontakte pflegen) habe ich vor allem zu Beginn, das heißt vor vielen Jahren. Ich schaffe es immer weniger, bei anderen regelmäßig zu lesen und zu kommentieren (und verlinke sie entsprechend weniger). Und wenn, dann sind es immer die „üblichen Verdächtigen“, die ich schon lange lese. Hin und wieder nehme ich an Blogparaden teil, (WmdedgT / 12von12). Das ist ein gute Möglichkeit, selbst sichtbar zu werden und andere BloggerInnen zu entdecken.

„Ich fühle mich immer noch so jung“

Mal unabhängig vom Bloggen: Was ist für dich das Erstaunlichste am Älterwerden?

Die erstaunlichste Erkenntnis ist, dass ich auf die 60 zugehe und mich nicht so fühle, wie ich früher dachte, dass sich Sechzigjährige fühlen würden, nämlich irgendwie alt, gesetzt und abgeklärt. Ich fühle mich immer noch so jung, abgesehen von den Rücken- und den Knieschmerzen und meinem rundlich gewordenen Körper. Ich glaube, das wird so bleiben: Auch mit 90 werde ich denken, ich bin doch noch „so jung“ (in diesem ärgerlich schmerzenden Körper), nur die anderen behandeln mich fälschlicherweise wie eine Seniorin. Frechheit! 😉

 

Liebe Christiane, ganz herzlichen Dank! Und als Ankündigung an alle: Den Herrn Duval von Christine nehme ich mir demnächst mal vor …

 


 

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

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