Aus meiner Arbeitswelt 50plus: Unterwegssein, immer wieder neu gelernt

Aus meiner Arbeitswelt 50plus: Unterwegssein, immer wieder neu gelernt

„Seit ich selbstständig bin, erfinde ich mir meine Jobs quasi im Akkord permanent aus dem Nichts, immer wieder neu und so, wie es mir entspricht.“ Das schrieb ich neulich sinngemäß einer Mitbloggerin. Und es stimmt: Nichts ist sicher, kaum etwas läuft so, wie ich es mal geplant hatte. Das ist ein ständiger Spagat zwischen dem Festhalten an dem, was ich kann, was mich interessiert – und an den Chancen und Veränderungen von Markt und Kund/innen.

Arbeitswelt 50plus, Älterwerden, Selbstständigkeit und Älterwerden

Hat das was mit dem Älterwerden zu tun?

Ja und nein. Ich werde definitiv anspruchsvoller mit jedem Tag, den ich älter werde. Und zwar in dem Sinn, dass ich einfach nicht mehr ALLES machen will. Sondern nur noch das, worin ich mich selbst wiederfinde. Nur das kann ich auch wirklich gut und es ist gewissermaßen die „Belohnung“ für all meine Erfahrungen: Die haben ihre Spuren hinterlassen. Und das sollen sie auch – nicht nur in meinem Gesicht … Erfahrungen haben mich gelehrt, was ich besonders gut kann. Und mag. Aber auch, was meine Fähigkeiten mehr oder weniger sinnlos vergeudet: weil ich kein sonderliches Talent dafür habe, weil ich es nicht mag, es nicht zu mir und meinem Blick auf und in die Welt passt. Ich nenne das meinen Eigensinn – der ganz und gar nicht mit Egoismus zu verwechseln ist. Sondern eher so was wie Respekt für mich und meine Fähigkeiten bedeutet. Denn erst, wenn ich diesen Respekt ernst nehme, kann ich meine Fähigkeiten auch wirklich gut für andere einsetzen – das will ich nämlich in jedem Fall. Und so würfele ich quasi meine Fähigkeiten und die Bedürfnisse der Menschen, die sich aus allen möglichen Richtungen an mich als Dienstleisterin wenden, immer wieder neu zusammen. Diese Bedürfnisse sind:

  • Bücher schreiben und publizieren
  • die eigene Stimme finden und öffentlich machen
  • unverwechselbare Texte schreiben oder schreiben lassen
  • Ideen sortieren und formulieren
  • Knoten oder Blockaden freundlich in die Augen gucken – und dann auflösen, unter Umständen danach etwas Kreatives daraus machen
  • Prozesse begleiten: das Schreiben längerer Texte, Lebensumbrüche, das Älterwerden

Solche Dinge. Das alles ist meins. Und ich brauchte all meine Lebenszeit bis hierher, um zu lernen, dass es eben genau DAS ist.

Spaß am Lernen

Wenn das alles jetzt nicht im komplett luftleeren Raum hängenbleiben soll, muss ich Konsequenzen daraus ziehen … Manche haben sich schon von ganz allein eingestellt. Zu meinem großen Erstaunen habe ich beispielsweise gemerkt, dass ich wirklich gern lerne – das war keineswegs immer der Fall! Und so ist meine Selbstständigkeit mittlerweile eine Mischung aus etwa 70 Prozent Arbeit für andere (all die Arbeit in der Welt der Social-Media-Kanäle eingeschlossen …) und 30 Prozent Lernen. Dieses Lernen ist nicht immer Spaß pur … erst gestern hat mir mein Steuerberater eine – leider absolut notwendige – Nachhilfestunde gegeben. Doch so was ist eher die Ausnahme. Manchmal muss ich in die Jahre gekommenes Technik-Know-How auffrischen, aber das tue ich allein schon deshalb gern, weil ich dabei weg von meinem einsamen Schreibtisch und unter Menschen komme.

Und der größte Schritt: Ich mache gerade eine Ausbildung zum klassisch „systemischen Coach“. Sie soll mir dabei helfen, all das zu ordnen, was ich mir in den letzten Jahren als Schreib- und Textcoach angeeignet habe. Da ich außerdem aus Prinzip immer für alles offen bin, was mir begegnet, kann es gut sein, dass nach dieser Ausbildung – also nächstes Jahr – aus dem neuen Wissen auch wieder neue Angebote entstehen. Wenn es passt – warum nicht? In jedem Fall habe ich mir vorgenommen, in meinem Blog darüber zu berichten: Wie geht es weiter in meiner ganz persönlichen Arbeitswelt 50plus?

Gelerntes teilen = Kommunikation

Gelerntes zu teilen, ist mir ein wichtiges Anliegen: Was habe ich davon, wenn ich hier nur einsam vor mich hinwurschtele? Ich tue eigentlich alles, was ich mache, immer, um zu kommunizieren. Darum will ich teilen, was ich gelernt habe, was ich anbieten möchte. Dann erst kann ich ja auch andere dazu einladen. Und so bin ich jetzt eigentlich ziemlich glücklich, dass ich meine Erfahrungen ganz einfach mit euch teilen kann. Natürlich ist das, was „richtig“ ist, was uns glücklich macht, für jede/n etwas anderes. Aber vielleicht findet jemand in diesen Zeilen eine Anregung, irgendwie … Dann lasst es mich wissen, ja?

Unterwegs sein, auf dem Weg bleiben

Für mich beispielsweise ist dieses „immer wieder neu lernen“ zu einem wichtigen Faktor bei meiner beruflichen Neuorientierung geworden. Anfangs hat mich die Tatsache schwer nervös gemacht, dass ich dachte: „Verdammt, wann komme ich denn endlich (wieder) irgendwo an?“ Inzwischen fühlt sich dieses Unterwegs-Sein sehr lebendig an. Und das Gefühl des „Lebendigseins“ ist – gerade in Kombination mit dem Älterwerden eine feine Sache.

Ich bin unterwegs, auf meinem Weg – und das ist gut so. Bei Bedarf schiele ich immer mal wieder ein Stückchen zurück: Ist es auch noch der richtige Weg? Aber noch viel häufiger versuche ich inzwischen nach vorn zu gucken: Kommt da schon wieder eine Weggabelung? Und muss ich noch was lernen, um dort die richtige Abzweigung zu finden? Um anständig laufen zu können? Um die Wegstrecke richtig würdigen zu können?  So etwa. Das ist mein ständiges Lernen im Unterwegssein. Und weil ich jetzt schon so „alt“ bin, leiste ich mir diesen Luxus, immer wieder auch auf mich zu sehen: Stimmt noch alles?

Der Preis …

Natürlich hat auch das – wie alles auf dieser Welt – einen Preis: finanziell zahlt es sich (noch) nicht wirklich aus … Aber das kommt hoffentlich noch. Ganz sicher werde ich deshalb jetzt nicht anfangen, zu  jammern – denn ich habe eine Entscheidung getroffen: Unterwegssein ist mir wichtiger als Geld. Und gleichzeitig gehört es zu meinen ständigen Lern-Lektionen, Geld auch gern zu haben, mir zwischendurch auch mal ganz unlustige Brotjobs zu suchen. Aber das ist ein anderes Thema …

Wie geht euch das? Verändert ihr euch mit dem Älterwerden auch beruflich irgendwie? Das interessiert mich brennend!


 

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

4 Gedanken zu „Aus meiner Arbeitswelt 50plus: Unterwegssein, immer wieder neu gelernt

  1. Bei mir hat sich beruflich im Alter viel weiterentwickelt. Als die Kinder kleiner waren, habe ich in Teilzeit gearbeitet. Erst später habe ich auf eine Vollzeitstelle (als Sozialarbeiterin im Jugendamt) gewechselt und erst mit 49 Jahren habe ich meinen Master in Sozialmanagement begonnen und in diesem Jahr mit 51 Jahren erfolgreich abgeschlossen. Im Job wird die Mischung aus Lebenserfahrung und guter Ausbildung auf jeden Fall anerkannt. Überrascht hat mich im Studium eher die große Anerkennung aus meinem beruflichen und sozialen Umfeld, dass ich in „meinem Alter“ neben dem Job noch eine Studium beginne und durchziehe.
    Herzliche Grüße

  2. In vielen Aussagen finde ich mich wirklich wieder, auch wenn ich nicht selbständig bin, sondern von Halbtagsstelle und ein bisschen auch von nebenberuflichem Autorinnen-Dasein lebe. Ich will nicht mehr alles machen, schon gar nicht, womit ich ich ständig überlaste. Das brauche ich auch nicht, da die langjährige Erfahrung viele Abkürzungen kennt, um zum Ergebnis zu kommen 😉

    1. Liebe Gabi,
      wie schön, mal wieder von dir zu hören! Und dein Satz, dass die langjährige Erfahrung viele Abkürzungen kennt, um zum Ergebnis zu kommen – der trifft die Sache perfekt!
      Vielen Dank dafür!

      Herzliche Grüße
      Maria

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