Nein, ich werde keine Barbie (mehr)! Vorbilder, Älterwerden und beruflicher Neustart 50plus

Es gibt Frauen, die lassen sich so lang operieren, bis sie in etwa so aussehen wie Barbie mal aussah. Die Puppe hat in der Zwischenzeit schon wieder eine ganz andere Gestalt… „Blödsinniges Unterfangen!“, sagt ihr jetzt hoffentlich alle.
Es geht um Vorbilder, berufliche Neustarts, die Selbst-Positionierung und das Älterwerden.

Doch! Es gibt sie, die weiblichen Vorbilder 50plus….

Wenn man jünger ist, macht es manchmal durchaus Sinn, sich an anderen Menschen zu orientieren. Obwohl: Weibliche Vorbilder waren eine Zeit lang ziemlich rar. Fand ich jedenfalls in den 1970er und 80er Jahren. So langsam wird das besser. Da gibt es beispielsweise Christine Lagarde (geboren 1956). Oder Tilda Swinton (geboren 1960). Oder Vivienne Westwood, geboren 1941 geboren! Oder Sabine Asgodom (geboren 1953). Oder Léa Linster, auch Jahrgang 1953. Oder, oder, oder.

Ich hab mir ja eigentlich vorgenommen, das nicht zu tun: Ich vergleiche mich nicht mit anderen. Ich bin ich. Und kann mich nur an meinen eigenen Fähigkeiten, körperlichen, psychischen und beruflichen Grundgegebenheiten orientieren. Erfolge, Veränderungen etc. kann ich nur als eignes Vorher – Nachher beurteilen. Wie Tilda Swinton werde ich jedenfalls nie aussehen, so viel steht fest. Aber ein Krönchen kann ich mir ja trotzdem mal vorstellen….

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Es ist nämlich leider schon so: Ich erwische mich immer noch, immer wieder dabei, mich mit anderen zu vergleichen… Der Lebensweg von Vivienne Westwood ist meinem doch ganz ähnlich! Beide haben wir als Rebellinnen begonnen, als Punk habe ich mich auch eine Zeit lang gefühlt, kreativ sind wir und polarisieren können wir auch beide… Aber ich hab wohl nicht ihren „Biss“ – oder warum sonst hab ich nicht auch nur das kleinste Quentchen ihres Erfolgs?! Im Gegensatz zu ihr bin ich wohl zu grüblerisch, zu unentschlossen, zu vielseitig unterwegs…. So kann das ja nichts werden! Ich muss mich ändern! Muss mehr wie sie werden! Muss, muss, muss! So lässt sich das mit vielen Vorbildern durchdeklinieren, am Ende steht immer ein MUSS.

Es gibt auch ganz banale Beschränkungen. Nicht nur, dass ich nie Tilda Swintons blasse Haut haben werde, ich habe auch nicht das Geld, mich als Coach à la Asgodom ausbilden zu lassen. Obwohl das ziemlich gut zu mir passen würde. Ich bin halt nur die ehemalige Pressesprecherin, die mit 50plus grad noch einmal durchstarten will. Und sich dabei einer Flut beruflicher Vorbilder gegenüber sieht. Doch, ich habe viele Talente. Und mindestens ebenso viel berufliche Erfahrung. Das hat jetzt wenig mit dem Aussehen zu tun… Und doch: Das „standing“ einer Tilda Swinton ist ja unter anderem auch, dass sie schon rein optisch eine echte „Marke“ ist. Sie scheint sich gefunden zu haben – und erfindet sich doch immer wieder neu. Ohne sich dabei zu verlieren – was sie für mich zu einem Lieblings-Vorbild macht.

Kann ich mir Unverwechselbarkeit (noch) leisten?

Unverwechselbarkeit ist ein wichtiges Stichwort. Und die ist nicht einfach zu erreichen, wenn einem die halbe Welt an Möglichkeiten, Wegen, beruflichen Definitionen und Zielen offen zu stehen scheint. Ich entscheide mich also beispielsweise für das Handwerk. Weil ich liebe, was – vor allem kreative – Handwerker/innen tun. Weil die sehr viel können, selten aber schreiben. Was nun wiederum ich gut kann. „Das Handwerk“ aber sieht, findet oder will mich (noch) nicht. Bin wohl zu exotisch…  Statt dessen gibt es großes Interesse an meiner Fähigkeit, Menschen beim „Büchermachen“ in allen Schritten zu unterstützen. Okay: kann ich, liebe ich, biete ich an. Ja, da gibt es Nachfragen. Gar nicht mal so wenige. Doch ich kann potentielle Autor/innen nun mal nicht zwingen, ihr Buch auch wirklich zu Ende zu schreiben. So bleibt es häufig bei Absichtserklärungen. Verständlich, aber blöd. Für mich.

So tue ich, was ich überhaupt nicht tun wollte: Ich mache einen Gemischtwarenladen auf, der von zufälligen Aufträgen querbeet durch meine Talente lebt. Positionierung? Null. Unverwechselbarkeit? Fehlanzeige. Und so langsam macht mich das ungeduldig.

Früher hätte ich jetzt wohl ein Senkblei in meine Ungeduld geworfen und gedacht: abwarten! Deine Chance kommt schon noch. Irgendwann werden die richtigen Menschen auf dich aufmerksam. Denn auch das gehört zu meinen Talenten: sofort zu erkennen, wenn die richtige Chance da ist, den für mich passenden Weg zu ahnen, auch, wenn er noch ganz weit weg zu sein schient. Doch so langsam rennt mir die Zeit davon. Die Sache mit dem „Senkblei“ ist der für mich richtige Weg – das weiß ich. Das hat mit Konzentrationsfähigkeit zu tun. Mit Insichrein-Hören und -Fühlen. Und auch mit meiner Art Kreativität, die sich nicht allein auf scheinbar strategisch nützliche Ziele reduzieren lassen will. Doch all das braucht Zeit. Und die habe ich nicht –  fürchte ich jedenfalls. Dieses „Senkblei“, das bin ganz ich. Da schiele ich nicht nach rechts oder links, vergleiche mich mit niemandem. Darum ist es perfekt. Doch: Kann ich mir das mit über 50 noch leisten?!

Gibt es ein ZUVIEL an Fähigkeiten?

Dann frage ich mich auch noch: Was hat mich eigentlich in diese Bredouille gebracht? Und kenne schon die Antwort: Es ist mein „Kapital“. Ja, es sind genau meine zahlreichen Talente und Erfahrungen, die mich in diese Lage gebracht haben. Denn genau auf solche Vielfalt in einem „gewissen Alter“ ist unsere Gesellschaft nicht (mehr) eingestellt. Es wird kaum erwartet, das jemand gleichzeitig gut zuhören UND reden kann, Projekte planen und leiten UND Visionen verfolgen, Bücher UND Produktbeschreibungen texten kann… nur ein paar Beispiele. Diese Aufzählung könnte ich noch lange fortsetzen…

„Du musst dich spezialisieren!“, schallt es mir von allen Seiten entgegen. Schon wieder ein Muss! Ich will aber nicht. Ich will die ganze Bandbreite meines Wissens/Könnens einsetzen dürfen. Das habe ich mir erarbeitet, das macht mich aus. Doch es ist schwer. Denn ich habe einfach nicht das „standing“ einer Christine Lagarde – natürlich nicht! Dazu ist meine Biografie viel zu bunt… Und das wiederum zähle ich zu meinen Stärken. Ich kann mich auf viele Situationen neu einstellen. Und will das auch.

Älterwerden. Und abwarten

Und da sind wir schon wieder beim Alter: Als ich begann, mich mit Werten und Lebensläufen, Berufswegen und -zielen auseinander zu setzen, schrieben wir Ende der 1970er Jahre. Dort wurzelt noch immer ein großer Teil meiner Werte. Damals war es wertvoll, verschiedene Lebensrealitäten zu kennen – so jedenfalls meine Wahrnehmung. Und ich halte das noch heute für eine gute Sicht auf die Welt, ja: Vielfalt ist ein wichtiger Teil meiner „Weltsicht“. Daran möchte ich festhalten. Auch, wenn ich mehr und mehr merke, dass das nicht mehr so recht in die Erwartungen „der Zeit“ passt. Nein, ich will mich nicht zur Barbie umoperieren (lassen)! Dann bleibe ich lieber erst mal in meinem Gemischtwarenladen. Und warte ab, was passiert. Auch, wenn es schwer fällt….

 

Beruflicher Neustart 50plus

Nur zur Information: Ich schreibe ja schon eine Weile zu meinem beruflichen Neustart 50plus, mehr dazu hier. Das war bestimmt nicht der letzte Beitrag zum Thema.

Habt ihr eigene Erfahrungen? Mit dem „Wertewandel“? Dem beruflichen Neustart? Immer her damit, ich freue mich!
Denn mein Credo ist und bleibt: Wir sollten sichtbar(er) werden!

 

6 Kommentare


  1. Ach wie gut ich Deine Gedanken kenne 🙂 In den nächsten Tagen gibt’s einen Artikel darüber von mir 🙂 Und MEIN Buch schreibe ich sicher mit Dir!!!!! Will ich im April unbedingt mit Dir besprechen!!! Love Sonja!

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    1. Liebe Sonja,
      bin sehr gespannt! Und ja, ich finde auch, wir ergänzen und ähneln uns an vielen Punkten – ohne je Doubletten zu erzeugen 😉 Und das finde ich toll!!!
      Sei herzlich gegrüßt
      Maria

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  2. Liebe Maria,

    du bist genau richtig, so wie du bist! Mir ging und geht es in dem Sinne immer schon so, dass sich meine Fähigkeiten auf ziemlich viele Felder erstrecken. Das ist ein Feature, kein Bug – aber auch kein Grund zur Eitelkeit.

    „Lieber Universaldilettant als Fachidiot“ ist ein schöner Spruch, der das Spannungsfeld zeigt: Man kann vieles so mittelgut, vielleicht auch mal richtig gut, wenn man sich eine Zeit lang NUR darauf konzentriert.

    Das aber ist meist nicht Sache der Universaldilettantin!

    „Dilettare“ heißt „sich erfreuen, ergötzen“ und es zeichnet uns aus, dass wir gerne arbeiten, weil und solange es Freude macht. Sprich: Projekte, die auch irgenwann zu Ende sind, Arbeitsbereiche, die sich verändern lassen – keine Routine in alle Ewigkeit und auch KEIN EHRGEIZ, in einer einzigen Disziplin Meisterin zu werden. Denn das wäre ja auf Dauer langweilig, wir würden die Freude verlieren und uns nurmehr im Stresskorsett einer spezifischen Karriereleiter eingeengt fühlen. Wir wollen unsere breit gestreuten Talente lieber auf vielerlei Weise immer neu austesten.

    Deshalb taugen die meisten höchst erfolgreichen Frauen (und Männer) auch nicht wirklich als Vorbild. Sie haben sich konzentriert, sind in ihrem jeweiligen Metier aufgestiegen – tja, Glückwunsch, aber mich lockt das nicht, denn ich weiß, was ich dafür alles aufgeben müsste!

    Angela Merkel ist wenige Tage jünger als ich. Seit sie Kanzlerin ist, führt sie mir vor, wie weit frau es hierzulande bringen kann. Ich war und bin immer schon politisch interessiert und engagiere mich hier und da – aber in die Parteienlandschaft hab ich nur mal kurz reingerochen, dann wusste ich: da will ich gewiss nicht weiter aufsteigen! Und das Leben der Angela Merkel würde ich nicht gegen 1 Mio Gehalt pro Monat führen wollen, auch nicht das von der ziemlich großartigen Christine Lagarde. Aufgewendete Lebenszeit ist nämlich unersetzlich und im Grunde unbezahlbar.

    Aber ja, es stimmt auch: es ist nicht immer leicht, als „breit aufgestellte“ Person sein Auskommen zu finden. Die Welt liebt die Fachidioten („Experten“) und solche, die so tun als ob.

    Männer schaffen es auch viel besser, rund um ihre jeweiligen Fähigkeiten ein richtiges Pfauenrad zu schlagen – wogegen ich als Frau mit derselben Fähigkeit eher denke: ach, das ist doch nur… da muss man sich doch nur ein bisschen befassen, dann kann das jede! (Ein Irrtum, aber das verwundert dann jedes Mal, wenn ich’s merke, etwa wenn ich jemanden anleite..).

    Ein „Mischthemenblog“ wie mein Digital Diary hat es auf dem „Blogmarkt“ ganz genauso schwer wie Personen mit breit verteilten Talenten auf den Märkten dieser Welt.
    Was hab ich als Bloggerin gemacht? Einige Themen-Blogs gestartet, die den „Erfolg“ des Digital Diarys bei weitem übersteigen, was die Leserzahlen etc. angeht.

    Genauso kannst du es auch mit deinen beruflichen Angeboten machen. Starte für jede Tätigkeit eine extra Webseite, auf der du alles versammelst und zeigst, was NUR DAFÜR relevant ist.

    Was mir auch immer geholfen hat, mich niemals mit meinem „Way of Work“ schlecht zu fühlen: keinen hohen Lebensstandard anstreben, auch nicht in Gutverdiener-Zeiten. Nichts fesselt so sehr wie die Angst, viel zu verlieren zu haben.

    Ich wünsch dir viel Erfolg! Auf möglichst mehreren Gebieten…. 🙂

    Antworten

    1. Liebe Claudia,

      darf ich dich zu meiner Muse erklären? (weils ein so schön altmodisches Wort ist…. Eben NICHT Trainerin oder Brain-Mentorin oderwasweissich. Obwohl es von alledem durchaus was hat…)
      Ich stimme dir in ALLEN Punkten zu – und bedanke mich für deine Gedanken. Von ganzem Herzen!

      Drei Blogs hab ich ja schon… hier, die beruflichen der Texthandwerkerin und das im Verlag Texthandwerk, was ich wohlweislich „Journal“ genannt habe, um mich vor der meist erwarteten Blog-Frequenz von mind. 1x/Woche zu schützen… Denn, ja, ich möchte mich und meine Leserinnen viel lieber ergötzen als stressen. O ja: Ich liebe es – ab heute – Dilettantin zu sein. Und auch mit den „Erfolgreichen“ hast du völlig Recht: Pfauenrad, Langeweile, eigentlich ein ewiges Im-Kreis-Rennen, ohne Möglichkeit zu Vision, Leichtsinn, neuen Themen/Gedanken… Das würde ich gar nicht aushalten. Denn tatsächlich wollte ich immer schon so eine Art altmodisch-kluger Frau sein, Generalistin, Universalistin… beides keine schönen Begriffe. Lieber Sofia, die Weise und Irene, die Vermittelnde.

      Ach, und das mit dem Verlieren! Da könnte ich ganze Romane zu schreiben. Die ersten Jahrzehnte meines Lebens hatte ich rein gar nichts zu verlieren. Inzwischen ganz viel Liebe. Und es hat mich sehr erschreckt, das zu entdecken: „Huch, auf einmal hab ich was zu verlieren!“ Gott sei Dank alles NUR im immateriellen Bereich. Das wird sich auch kaum mehr ändern.. Und, ja: Mir sind die Vorteile, im klassischen Sinn nur wenig zu BESITZEN, durchaus bewusst. Obwohl – das wirst du gut verstehen – vor meiner Nase ist eine kleine Terrasse, die ich umgepflügt, mit Rosen, Kräutern und Wildwuchs zum Leben erweckt habe… Das sind so Zwischenbereiche. Denn Grund und Boden gehört ja leider immer irgendwem. Obwohl es mir nun gar nicht um den Besitz, sondern um das Leben, Blühen, Duften und all das überraschend Zugeflogene dort geht…

      Meine Muse, ich danke dir für deine Worte! <3

      Maria

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      1. Liebe Maria,

        fühle mich sehr geehrt durch deine wertschätzende Antwort! Bin auch echt lieber Muse als Mentaltrainerin oder Coach! 🙂

        An deinem Schreiben schätze ich unter anderem, dass du die Geduld aufbringst, zu vermitteln, wie du zu deinen Meinungen und Haltungen kommst. Sowas liest man selten.

        Mach weiter so – auf all deine Talentfeldern!

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        1. Liebe Claudia,
          hach, danke! Ich dachte schon, ich hätte schlechte Laune an diesem Montagmorgen… Welch ein Irrtum, da hatte ich glatt meine Muse vergessen!
          Hab eine wunderbare Woche!
          Maria

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