Beruflicher Neustart mit 50plus: Mein Selbstbild ist das A und O

Ich war noch nie der klassische „Karrieremensch“. Mir genügte es, mit Dingen Geld zu verdienen, die ich halbwegs sinnvoll fand, die ich konnte. Und die mir im Idealfall sogar Spaß machten. Ich weiß: Das alles ist in heutigen Zeiten schon fast Luxus. Aber ich nehme mir das Recht heraus, an diesem Luxus festzuhalten. Denn zu allem Überfluss habe ich auch noch das Bedürfnis, das, was ich tue, GUT zu machen. Und bin überzeugt davon, dass ich nur gut sein kann, wenn ich das, womit ich mein Geld verdiene, kann und mag.

Der berufliche Neustart mit 50plus ist nicht immer so einfach.... Foto: http://de.123rf.com
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Das alles hat viel mit meinem Selbstbild zu tun. Ich habe es mir so „gebaut“, dass es nicht ganz und gar utopisch ist, dass es zumindest in Teilen machbar, erreichbar ist und bleibt. Und das hat mich gerettet, in den Zeiten, in denen ich arbeitslos, krank und ziemlich verzweifelt war. Hat das was mit dem Älterwerden zu tun? Ich glaube schon. Denn wer jung ist, kann sich noch besser neue Schneisen schlagen, Ziele setzen, Dinge ausprobieren. Wer älter wird, sollte zumindest ein bis zwei dieser Ziele schon mal ansatzweise erreicht haben. Sonst nagen die Zweifel am „Selbst“ einfach zu heftig…. Erreichte Ziele bilden ja auch so etwas wie einen Schutzwall. Der gerade dann wirksam und notwendig ist, wenn es gilt, Rückschläge zu verkraften.

Wenn ich jetzt also über einen beruflichen Neustart mit 50plus nachdenke, kommt diesem „Selbstbild“ eine wichtige Rolle zu: Meine beruflichen Ziele müssen so sein, dass sich dieses Selbstbild darin wiederfindet. Nein: Ich spreche nicht von Selbstverwirklichung, nicht einmal von „Selbstwirksamkeit“. Ich finde, das wäre schon zu viel verlangt. Machbarkeit ist meine Maxime. Meine beruflichen Ziele müssen gut erreichbar sein, in meinem Fall also: Tue das, was du kannst und magst, dann hast du auch eine Chance, gut zu sein. Alles andere wäre schon wieder „Karrieredenken: weiter, höher, größer…. Das Leben als ewigen Wettkampf sehen/denken. Das konnte (und wollte) ich noch nie. Warum also sollte ich es mit 55 auf einmal lernen können?

Was ich hier sage, hat ganz und gar nichts Resignatives. Wenn ich es schaffe, mein Selbstbild in meinen beruflichen Neustart so zu integrieren, dass ich es ohne Anstrengung halten, immer wiederfinden kann, dann kann ich mich ein Stück weit auch immer auf mich selbst verlassen. Dann muss ich weniger Angst vor einem „Scheitern“ haben. Denn das „Selbstbild“, das begleitet mich doch schon so viele Jahre. Es kann zwar angekratzt, auch angezweifelt werden. Aber ganz kaputt gehen wird es nie. Es ist mit mir inzwischen gewissermaßen verwachsen.

Indem ich das sage, erkenne ich auch an, dass mir die Zeit meines bisherigen Lebens etwas gegeben hat. Ich habe gelernt und bin gewachsen. Wenn ich „beruflicher Neustart“ sage, wäre es aus meiner Sicht ziemlich dumm und vermessen, auch mein Selbstbild „neu“ machen zu wollen. Das ist das Plus des Älterwerdens: Wir haben etwas, worauf wir uns verlassen können: auf uns selbst! Und das muss nicht neu werden, das darf sehr gern „das Alte“ bleiben!

Mehr zum Thema „beruflilcher Neustart mit 50plus“

Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie, die ich zum beruflichen Neustart mit 50plzs geschrieben habe. Andere Beiträge sind beispielsweise:

  • Warum ich das tue – mehr darüber hier.
  • Thema Kontaktpflege – ein kleiner Ratgeber, hier.
  • Speziell für „Querdenker“: Chancen und Risiken… hier.
  • Wer heute mit 50plus beruflich neu starten will, muss mit zusätzlichen Schwierigkeiten rechnen…. Mehr dazu hier.
  • Ein Beispiel, das Mut macht… Und ein ganz spezielles Kreativ-Angebot für alle, die sich mit 50plus neu (er-)finden wollen. Hier.

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2 Kommentare


  1. Die Arbeitswelt ist komplex und vielfältig. Immer wieder erschliessen sich neue Möglichkeiten. Als ich mit 16 aus der Schule kam habe ich mich erkundigt bei welchem Handwerksberuf die beste Ausbildungsvergütung gezahlt wird. Ich habe mich schliesslich für den Maurerberuf entschieden. Nach meiner Lehre habe ich mich immer mehr für die technischen Geräten auf der Baustelle interessiert und ich wurde dann durch Eigentraining schliesslich zum Kranführer. Auch die Prüfung zum Kranführer habe ich sofort bestanden und ich glaubte meinen Traumjob erreicht zu haben. Auch die immer wechselnden Arbeitsstellen innerhalb der Stadt und des Kreises machten mir Spass. Gerne hatte ich immer wieder ein neues Umfeld für meine Arbeit. Nach 10 Jahren am Bau kannte ich sämtliche Baustellen im Umkreis und ich stellte ausserdem fest dass durch die oft lange Schlechtwetterzeit der Jahresverdienst am Bau niedriger war als in anderen Berufen. Ich machte mir Gedanken ob ich umschulen sollte oder ob ich die Meisterprüfung ablegen sollte um dann als Bauführer zu arbeiten. Schliesslich kam ich auf die Idee Fernfahrer werden zu wollen. Als Fernfahrer lernt man Land und Leute kennen und bekommt sogar neben dem Lohn noch Spesen.- Das hörte sich sehr gut an. Also habe ich den LKW Führerschein gemacht und dann bei einer Spedition als Beifahrer angeheuert. Nach 3 Monaten hielt man mich für fit genug als Fernfahrer zu arbeiten. Ich lernte die Fahrstrecke nach Hamburg und Berlin kennen. Ich durfte bis nach Nürnberg und München fahren. Schliesslich ging es sogar ins Ausland. Zuerst nach Luxemburg und Belgien und dann sogar nach Grossbritanien wo ich das erste Mal unter Anweisung meines englischen Kollegen sogar links fahren durfte. Für mich hatte sich eine neue Welt erschlossen. Das habe ich 10 Jahre gemacht. Eines Tages fragte mich ein Bekannter ob ich auch Bus fahren könnte. Ich sagte ja, aber ich habe nicht den Führerschein zur Personenbeförderung.“Den kannst du umsonst bekommen wenn du bei uns anfängst.“ Ich machte den Personenbeförderungsschein und kündigte meine Tätigkeit als LKW Fahrer um Omnibusfahrer zu werden. Jetzt durfte ich Fahrgäste vom Dorf in die Stadt befördern und auch wieder zurück. Ich durfte Schulkinder zur Schule bringen und wieder nach Hause fahren. Eigentlich war ich sogar neidisch auf meine Fahrgäste denn als ich zur Schule ging musste ich immer zu Fuss gehen und durfte nie einen Bus benutzen. Wegen meiner Auslandserfahrung als LKW Fahrer bekam ich schliesslich auch die Chance Fahrten mit dem Bus in das Ausland zu machen. Ich durfte nach London und Paris fahren. Regelmässig durfte ich nach Österreich und Südtirol fahren. Das war herrlich. Ich durfte in Urlaubsgebiete fahren und wurde sogar noch dafür bezahlt. Alle drei Jahre musste ich als Busfahrer zur amtsärztlichen Untersuchung. Als ich zum 4 Mal zu dieser Untersuchung ging bemängelte der Amtsarzt meinen hohen Blutdruck und riet mir zur Umschulung. Jetzt stellte sich die Frage was sollte ich machen? Sollte ich wieder auf dem Bau arbeiten oder noch mal einen neuen Beruf ergreifen? Oft erledigte ich kleine Bauarbeiten für Freunde und Bekannte. Dazu ging ich oft im Baumarkt einkaufen. Als ich mal wieder im Baumarkt einkaufen ging kam ich mit einem Mitarbeiter ins Gespräch. Der sagte mir dass im Baumarkt fachkundige Mitarbeiter gesucht würden. Ich sagte ich bin 48 Jahre alt und habe noch nie im Baumarkt gearbeitet. Der Mitarbeiter meinte dass man mich einarbeiten würde wenn ich an einer Tätigkeit im Baumarkt interessiert sei. Ich überlegte mir diesen Vorschlag drei Tage und bewarb mich dann beim Baumarkt als Aushilfe. Schon nach wenigen Tagen bekam ich die Stelle. Die Bezahlung war jedoch viel schlechter als am Bau und als Kraftfahrer. Ich erkundigte mich nach Aufstiegsmöglichkeiten in der Branche. Der Marktleiter empfahl mich für eine Verkäufer Seminar. Als ich dieses bestanden hatte verbesserte sich auch mein Lohn. Jetzt bekam ich als Verkaufsberater nur noch 100 DM weniger wie vorher als Kraftfahrer. Nach drei Jahren im Baumarkt wurde ich zum Disponenten befördert. Jetzt war mein Stundenlohn schon 50 Pfennig höher wie als Busfahrer und das alles ohne amtsärztliche Untersuchung. Nach 5 weiteren Jahren fragte man mich ob ich in einem anderen Baumarkt als Abteilungsleiter arbeiten möchte. Ich habe schliesslich zugesagt. Dann habe ich tatsächlich noch 7 Jahre als Abteilungsleiter der Baustoff-und Fliessenabteilung meine Arbeit verrichtet. Diese Arbeit wurde noch besser bezahlt als meine vorherige.Mein Stundenlohn war sogar höher als der Stundenlohn eines Maurers. Als ich einmal einen früheren Kollegen vom Bau traf, der inzwischen Maurermeister war, sagte mir dieser dass mein Gehalt dem Gehalt eines Maurermeisters entspräche. Ich war überrascht. Ohne jemals auf die Meisterschule gegangen zu sein wurde ich wie ein Maurermeister bezahlt. Nach 7 weiteren Berufsjahren als Abteilungsleiter war ich 63 Jahre alt und musste in Rente gehen. Jetzt hatte ich 46 Jahre gearbeitet und war ein halbes Jahr arbeitslos. Zu mindestens hatte ich drei Berufe kennengelernt und kann jetzt auch in der Rentner kneipe darüber sprechen. Nur wenn ich meinen Bekannten aus Österreich treffe der auch Fernfahrer war und später im Baumarkt gearbeitet hat ärgere ich mich. Der bekommt doch tatsächlich 350 Euro mehr Rente als ich und hat nur 43 Jahre gearbeitet. Wie ungerecht doch die Welt ist

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    1. Lieber Hans-Elmar,
      herzlichen Dank für diesen ausführlichen Erfahrungsbericht. Mir zeigt er vor allem eines: Dass alles im Leben ein Auf und Ab, ein Hin und Her ist…. Das Blöde ist nur, dass es da immer einen End-Punkt gibt. Damit meine ich in deinem Fall: Das Erreichen der Rente. Da hast du dann nicht mehr viel Gestaltungsspielraum. Aber do lang du halbwegs gut von deiner Rente leben kannst, wäre mein Rat: Hadere nicht mit Dingen, die du nicht ändern kannst! Macht nur Falten und schlechte Laune!
      Herzlichen Gruß
      Maria

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