Corona-Depression, Tinnitus. Und ich. Oder: Ist das noch normal?

Corona-Depression, Tinnitus. Und ich. Oder: Ist das noch normal?

Meine Corona-Depression

Kann es sein, dass ich mit meinem Leben derzeit völlig überfordert bin?! Dass sich alte, depressive Teile mit der allgegenwärtigen Corona-Depression mischen? Und ich in meinem fast verzweifelten Versuch, doch irgendwie an der Welt teilzuhaben, ständig die falschen Fernsehsendungen angucke, die mir viel zu oft Themen um die Ohren hauen, die mir noch mehr das Gefühl von Hilflosigkeit vermitteln, als ich ohnehin schon habe? Auf Facebook und Twitter bin ich nur noch sehr sporadisch, meinen Newsletter will ich jede Woche spätestens Freitag verschickt haben. Und tue es seit Wochen nicht, obwohl ich inzwischen mindestens drei halbfertige Texte dafür habe. Ganz zu schweigen von Band zwei meiner Trilogie des Eigensinns. Da tauchten nämlich plötzlich Fragen (neu) auf, die ich schon lang geklärt glaubte… Die Crux mit dem Gendern zum Beispiel. Oder die Prognosen zur Entwicklung von Selfpublishing. Alles Dinge, zu denen ich eine klare Haltung brauche. Die ich wochenlang nicht fand. So langsam kriege ich die Kurve. Aber das hat wirklich Monate gedauert. Ist doch nicht normal!!!

Corona, das Älterwerden, Tinnitus?

Und jetzt brummt und pfeift es auch noch 24 Stunden täglich in meinem Kopf. Tinnitus. Das Ding, das 7.000 Ursachen haben kann. Mir würde ja schon eine reichen. Wenns die richtige ist. Doch die finde ich nicht. Verzweiflung und Hilflosigkeit potenzieren sich, Arzttermine blockieren meine Zeit – und ich denke mehr denn je: Ich komme zu gar nichts! Kriege nix fertig! Ist das noch normal?
Nein, ich jammere nicht. Gebe auch sicher nicht auf. Nur muss ich das mal eben loswerden. Die Lücke seit dem letzten Blogeintrag ist ja auch hier schon nicht mehr zu übersehen …

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Hunde und Selbstständige

Ich wär so gern mein Hund. Charlotte heißt die Kleine. Die weiß, was wichtig ist: Fressen, Trinken, Spielen, Schlafen. Genau das tut sie. Und fertig. Charlotte ist oft das einzige Lebewesen, das mich wenigstens stellenweise an  „Normalität“ festhalten lässt: Routinen, Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit. Auch und gerade für Selbstständige überlebenswichtig. Doch genau das überfordert mich zur Zeit auch. Und ich kann mir nicht erklären, was da gerade passiert. Ist es Corona, das Älterwerden, der Tinnitus? Vermutlich alles gleichzeitig. Und die Suche nach den Ursachen ähnelt fatal der Frage nach der Henne und dem Ei …

Mein 60. Lebensjahr, meine Selbstständigkeit

Eigentlich wollte ich dieses Jahr zelebrieren. 60 zu werden, fand ich nämlich gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil: Ich war bereit, mir dafür selbst auf die Schulter zu klopfen: „Verdammt gut, überhaupt so weit gekommen zu sein!“ Ganz ohne ironischen Unterton. Dann kam Corona. Alles stockte, krempelte sich komplett um. Keine regionalen Buchmesse wie geplant, keine Abkehr von der Welt, die mir schon lange viel zu un-analog vorkommt. Ziel: mehr echte Kontakte. Haha. Damit hadere ich noch immer. Und kann mich weder mit virtuellen Buchmesse noch damit anfreunden, dass im Prinzip jede Begegnung, jede Lerneinheit und all meine beruflichen Angebote auch virtuell machbar sind. Klar: ist machbar. Aber ich will das nicht. Fühle mich schon erschlagen von all den Online-Kursen, – Treffen, sogar Partys und Verabredungen zum Kaffee könnte ich virtuell absolvieren. Widerstrebt mir zutiefst. Ich kann da weder Freude noch Geselligkeit zelebrieren, die ich nicht empfinde. Andererseits rutsche ich ständig ein kleines Stück weiter in die Vereinzelung, die entsteht, wenn man mit maximal drei Menschen am Tag redet (ein Ehemann, der mehr denn je als Angestellter arbeiten muss, eine Kassiererin mal da, mal da und wenns hochkommt, noch eine Nachbarin oder der Postbote.)

Mir wird regelrecht schlecht, wenn ich an noch ältere Menschen denke, die vielleicht grad mal eine Pflegekraft haben, mit der sie durch Maske schwer verständliche Routinesätze wechseln – Ende der Kommunikation, Punkt, aus. Tatsächlich poppt bei mir immer mal kurz der Gedanke auf: „Such dir einen Job bei der Telefonseelsorge oder was Ähnliches! Ist sicher sinnvoller als das, was du jetzt tust!“

Bitte nicht schon wieder beruflich „neu erfinden“!

Andererseits hab ich ja aus voller Überzeugung etwas aufgebaut, einige Kund:innen zählen auf mich. Das will ich nicht mutwillig kaputt machen. Außerdem hab ich wirklich keine Lust, mich nach acht Jahren jetzt schon wieder beruflich „neu erfinden“ zu müssen. Stopp, nein, genug!

Denn ich mag ja, was ich tue. Und, so seltsam es klingt: Ich arbeite durchaus Vollzeit in meinem Business, von den ewigen Arztterminen mal abgesehen. Doch diese Arbeit ist derzeit viel zu oft  so seltsam ergebnislos. Hängt völlig in der Luft. Die mindestens zwanzigste Buchüberarbeitung. Die neuntausendste Recherche nach Vermarktbarkeit, technisch besseren Lösungen… Wo ist die Realität? Das, was wirklich geschieht? Ich will nicht, dass dieses Kopf-Pfeifen das Einzige ist, was verlässlich real ist!

In eigener Sache

Band eins der Trilogie des Eigensinns heißt „Mein Kompass ist der Eigensinn.“ Könnte hier bestellt werden:

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Buch zwei ist in Arbeit …

Wie geht es euch?!

Jetzt ist wenigstens dieser Blog-Eintrag schon mal Wirklichkeit geworden, ich habe euch erzählt, wie es mir geht. Das macht mich schon ganz froh. Und noch toller fände ich es, wenn ihr mir von Eurer Realität erzählen würdet. Ganz im Ernst: Wie geht es euch? Es wäre schön, von euch zu hören, naja: zu lesen!

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

2 Gedanken zu „Corona-Depression, Tinnitus. Und ich. Oder: Ist das noch normal?

  1. Liebe Frau Al-Mana,
    ich bin vor ein paar Wochen, durch Zufall auf Ihre Seite gestoßen. Mir gefällt Sie gut, da viele Themen vertreten sind. Ich selbst bin keine Bloggerin – lese aber gerne und viel.
    Ich bin 63 Jahre und nächstes Jahr beginnt MEINE freie Zeit, auf die ich mich sehr freue.
    Mir gefällt Ihre offene humorvolle Art wie Sie über Ihre Alltagsdepression schreiben. Geht es mir doch auch oft so. Alles ist mir zu viel, alles regt mich auf. Doch dann denke ich: Ach komm, jammere nicht, dir geht es gut…..und doch muss es manchmal einfach gesagt werden, weil es so schwer ist sich wieder zu motivieren.
    Sie sprechen mir zutiefst aus dem Herzen mit dem Satz: Ziel: mehr echte Kontakt. Mir geht es genauso. Doch wie ändern? Keine:r hat Zeit.
    Ich nehme auch an Online-Kursen teil – gut wenn die Zeit etwas knapp ist, und doch geht nichts über persönliche Kontakte. Dort entstehen bei mir Gefühle der Zufriedenheit und des Miteinanders.
    Frauengesprächsgruppen ist zur Zeit ein Gedanke von mir.
    Das Altern, mit seinen vielen Facetten ist spannend und doch auch beängstigend. Die größte Angst ist, denke ich, die Einsamkeit. Zumindest geht es mir so.
    Darum möchte ich etwas für ältere Menschen tun. Vor ein paar Jahren habe ich eine duale Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleiterin gemacht – wobei mein Schwerpunkt bei der Sterbebegleitung liegt. Voller Euphorie bin ich ran an dieses Thema. Doch was für ein Tabuthema!!!! In der heutigen, anscheinend so offenen Gesellschaft. Es gibt für uns also noch viel zu tun.
    Ich wünsche Ihnen, dass Ihr pfeifen bald aufhört und ich bin sicher, dass Ihre Motivation wieder zurück kommt. Jetzt ist vielleicht eher eine Zeit dran in der etwas mehr Ruhe einkehren sollte.

    Ganz herzliche Grüße
    Ingrid Frömmrich

    1. Liebe Frau Frömmerich,

      vielen Dank für diesen anregenden Kommentar! Ja, Älterwerden hat SEHR viele Facetten! Und ich habe großen Respekt vor allen Menschen, die das Sterben nicht ausblenden, besser noch: den Trauerprozess begleiten können. Ich glaube, wer das kann, hat sich selbst schon ein Stückchen von Ängsten befreit… Andere brauchen dafür länger. Und Sie haben natürlich vollkommen recht: Wenn Dinge tabuisiert sind, wird selten etwas besser…

      Ganz herzlichen Gruß
      Maria Al-Mana

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