„Nicht mit mir!“ Buchempfehlung: Nathalie Springer und Catharina Wilhelm

„Nicht mit mir!“ Buchempfehlung: Nathalie Springer und Catharina Wilhelm

Dieser Buchtipp steht aus zwei Gründen hier …

  • Zum ersten, weil das Thema wirklich alle Menschen angeht – es sei denn, sie leben als Eremiten allein im Wald. Aber wer kann das heute schon noch?
  • Zum anderen, weil eine der beiden Autorinnen, Catharina Wilhelm, auch eine Bloggerin50plus ist.

Und dann natürlich, weil ich das Buch richtig großartig finde: Es ist gleichermaßen amüsant wie nützlich und klug. Amüsant ist ja schon das Titelbild ….

Älterwerden, nicht mit mir, Catharina Wilhelm, Souveränität, Choaching
Bild: www.randomhouse.de

Worum geht es?

Um eine Erfahrung, die wohl niemanden von uns kalt lässt … Da müht man sich ein Leben lang ab, um seinen Job gut zu machen, Kompetenzen zu entwickeln, eine gute Nachbarin zu sein, sich im Chor, Sportverein oder sonstwo nicht allzu doof anzustellen, den Supermarkt ohne Wutanfall zu verlassen, Handwerkern so freundlich wie möglich zu begegnen …. Bitte selbst ergänzen. In der Regel geht es in all diesen Situationen darum, dass wir möglichst souverän bleiben wollen. Doch immer und überall kann es passieren: ganz plötzlich steht da DER EINE Mensch, der uns auf die sprichwörtliche Palme bringt …. Und vorbei ist’s mit der Souveränität. Ja! Es gibt sie, die „Menschen, die einen immer wieder aus der Fassung bringen.“

Wie gern würde man denen zurufen können: „Nicht mit mir!“ Doch das ist oft leichter gedacht als getan. Denn wenn wir aufmerksamer hinschauen, werden wir feststellen, dass es immer wieder mehr oder weniger ein ähnlicher „Menschentyp“, ein ähnliches Verhalten ist, das uns in Rekordzeit dazu bringen kann, die „Fassung“ zu verlieren. Oder ganz zu verstummen. Oder uns schlaflose Nächte, Alpträume beschert. Wenn das so ist, liegt natürlich nahe, dass es sich dabei ganz und gar nicht um Zufälle handelt. Die Sache hat offensichtlich Prinzip. Und das bedeutet: Es muss Gründe dafür geben

Der amüsante Teil des Buches ist die „Typologie der Auslöser“. Diese „Typen“ haben schon äußerst plastische Bezeichnungen … bei vielen ist ziemlich schnell klar, was gemeint ist. Da gibt es beispielsweise den „Kampfhund“, den „Herunterspieler“, die „Gletscherfürstin“ und die „Dramaqueen“. Jeder dieser „Typen“ wird erst mal kurz charakterisiert: Was sind seine oder ihre Merkmale, was ist ihr „Auftrag“ und wie die Haltung dahinter? Beim Kampfhund etwa: „An mir kommt keiner vorbei!“

Wie kriegen wir unsere Souveränität zurück?

Dann kommt bei jedem dieser „Typen“ die Klugheit der beiden Autorinnen ins Spiel. Beide arbeiten schon lang als Coaches – und haben ihren Arbeitsalltag sehr akribisch daraufhin untersucht, wo und wie diese Momente entstehen, in denen uns „die Spucke wegbleibt“. Ist es immer die gleiche Person, die uns die Souveränität raubt, uns regelrecht lähmt oder ständig in die Defensive zwingt? Und wie machen diese Leute das überhaupt? Wie und womit erlauben wir ihnen, dass sie diese Macht über uns haben? Und wie können wir uns effektiv dagegen zur Wehr setzen? Nicht nur einmal, sondern nachhaltig? Anders herum gefragt: Wie kriegen wir unsere Souveränität zurück? All das wird im ersten Kapitel aus eher allgemeiner Sicht sehr plausibel und nachvollziehbar beschrieben: Was geschieht da eigentlich?!

Schlange oder Kampfhund?

Dann kommt die Beschreibung all dieser Typen, eine Typologie eben. Auf den ersten Blick witzig, im Kern aber durchaus ernst. Denn bei den 14 „Auslöser-Typen“ geht es natürlich um sehr viel mehr als nur um griffige Assoziationen. Hinter jedem Typ steckt eine Realität – für ihn wie für uns. Außerdem jede Menge – meist in der Kindheit – erlerntes Verhalten. Das können wir bei unserem Gegenüber natürlich nicht beeinflussen – aber immerhin verstehen. Und genau dabei hilft diese Typologie ungemein.

Jedes Ding hat natürlich immer zwei Seiten … Und so wundert es kaum, dass auch wir mit unserem Verhalten den immer gleichen Mustern folgen. Wenn die uns schaden, den Atem rauben, uns lähmen oder „aus der Fassung“ bringen, sollten wir einiges überdenken. Und hier hilft nun wieder die lange Berufspraxis der beiden Autorinnen: Sie erzählen von Fallbeispielen, Entwicklungsgeschichten, vom Verstehen- und Umdenken-Lernen. Geduldig, ruhig und ohne zu urteilen. Das hilft schon sehr.  Jede Typ-Beschreibung endet mit ganz praktischen Fragen und Übungen – besser geht es wirklich kaum. Am Ende haben wir gelernt, wie wir mit den „Kampfhunden“ umgehen sollten, die sich uns immer wieder in den Weg stellen wollen. Das muss dann nur noch in der Praxis eingeübt werden, und schon ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering, dass Kampfhunde in Zukunft eher einen  Bogen um uns machen: Wir gehören dann nämlich nicht mehr gar so offensichtlich zu deren Beuteschema. Das ist jetzt ein wenig plakativ formuliert, denn gleichzeitig geht es natürlich vor allem auch darum, dass wir verstehen lernen, warum weder die „Schlange“ noch „der „Scharfrichter“ (oder andere) uns so aus der Fassung bringen können, sondern immer und immer wieder nur der „Kampfhund“ – oder ein anderer Typ.

Nicht mit mir!

Richtig „rund“ wird das Buch dann mit seinem dritten Kapitel, das ihm dem Titel gegeben hat: „Nicht mit mir!“ Damit wir nicht immer wieder die Fassung verlieren, brauchen wir eine klare Haltung, sollten das eigene Erleben achtsamer wahrnehmen, für die Möglichkeiten des Augenblicks offen sein, uns selbst akzeptieren. Damit können wir lernen, unsere Fassungslosigkeit zu verstehen, einen Zugang zu unseren Impulsen zu finden … das Schönste ist: All das verabreichen uns die Autorinnen nicht als blutleere Tipps und Ratschläge, sondern, indem sie Bezug nehmen auf eine ganz konkrete Geschichte aus ihrer Arbeitspraxis. Das macht die Sache glaubwürdig und nachvollziehbar.

Wie Neues wachsen kann …

Was für mich auch ganz wichtig ist: Den Autorinnen ist klar, dass sich Dinge, die sich meist über viele Jahre entwickelt haben, „nicht allein durch gutes Zureden, gut gemeinte Ratschläge oder eine Liste der ‚Zehn Tipps für mehr Schlagfertigkeit‘ verändern“ lassen. Denn: Erst, wenn man den Sinn der eigenen Verhaltensweisen verstanden und akzeptiert hat, kann daraus Neues erwachsen.“ Dem habe ich nichts hinzufügen – außer meiner Leseempfehlung ….

Weitere Infos

Nicht mit mir! Souverän bleiben bei Menschen, die einen immer wieder aus der Fassung bringen. Autorinnen: Nathalie Springer und Catharina Wilhelm. Mehr über Buch und Autorinnen sowie Bestellmöglichkeiten hier.


 

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

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