Mit Uschi Ronnenberg in Aachen glücklich – ein Buchtipp

Mit Uschi Ronnenberg in Aachen glücklich – ein Buchtipp

Von Pulheim – wo ich wohne – nach Aachen sind es gerade mal 73,5 Kilometer. Trotzdem bin ich nicht allzu oft in Aachen. Aber wenn, dann finde ich es jedes Mal wunderschön. Vielleicht bin ich ja ein Glückspilz. Denn ich kenne mindestens zwei tolle Frauen, die dort leben. Die eine davon heißt Uschi Ronnenberg. Und hat mir vor etwa einem Jahr eine ganz exklusive Stadtführung angeboten: Nur wir beide, die (fast) gebürtige Aachenerin, meine Partnerin in so vielen beruflichen Belangen. Und ich.

Über Berufliches haben wir an diesem Tag, den wir zwei Selbstständige uns einfach gegönnt haben, so gut wie nicht geredet. Dafür über Handtaschen, Architektur oder das Zeitungs-Machen heute und vor Jahrzehnten. Reichlich Kaffee, schöne Ausblicke und leckeres Essen inklusive.

Glücksorte in Aachen – will ich hin!

Und jetzt bin ich regelrecht hibbelig: Ich will nach Aachen. Sofort. Denn gestern lag „Glücksorte in Aachen – fahr hin & werd glücklich“ in meiner Post. Autorin: Uschi Ronnenberg. Fast hätte ich geschrieben: Wer denn sonst? Auf Anhieb entdecke ich das Internationale Zeitungsmuseum in diesem ganz besonderen Reiseführer, ein „museales Kleinod“ – hach, da waren wir! Und: Huch, hier wurde ja 1849 das Nachrichtenbüro Reuters gegründet – von Paul Julius Reuter. Solche gut recherchierten Fakten findet man zu allen 80 Glücksorten, jedesmal mit einem tollen, ganzseitigen Foto, das fast immer von Marie-Luise Manthei stammt.

Überhaupt: Verlaufen kann man sich in und mit diesem Buch sicher nicht. Alle Glücksort-Tipps sind übersichtlich, informativ und konsequent durchgängig gestaltet: Überschrift („Könnt ich mich reinsetzen!“), launiger Text, Adresse, Webseite (so vorhanden) und kurze Stichworte zur Erreichbarkeit mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Hinten gibt es eine grafisch gut schematisierte Klappkarte zur Orientierung. Perfekt!

„Der Verfasserin geht das Herz auf“ – mir auch

Aber ich finde auch „meine Uschi“ sofort in diesem Buch: Sie schreibt sachlich, häufig gleichzeitig amüsant (wie kriegt man das nur hin?!) Und manchmal durchaus persönlich: „Die Soers – niemals ohne Artikel zu sprechen […] – wo ist das Glück? Überall da, wo die Wanderer die Wege entlang des Wildbachs und all die Flora und Fauna entdecken, wo Radfahrer die Fahrt durchs Grüne genießen oder Jogger ihre große Runde laufen. Und der Verfasserin geht das Herz auf, wenn sie durch das grüne Tal radelt […] das und eine schwarz-weiße Kuh im Morgendunst zu sehen, ist einer der besten Tagesanfänge überhaupt …“ Meistens bewegen wir uns allerdings in der Stadt: „Besuch beim Bürgertum“, „nicht ohne unseren Karl“, „feinste Kochkunst“, „Lässigkeit und Luxus“ – um nur mal ein paar Überschriften zu nennen. Will ich sehen, alle diese Orte!

Aachener Mikrokosmos: von Laisser-faire bis Technikliebe

Was ich außerdem bemerkenswert finde: Ich weiß, dass Uschi Ronnenberg fast ihr ganzes Leben lang schon Öcherin ist (auf deutsch: in Aachen lebend). Wüsste ich es nicht (naja, es steht auch im Klappentext), würde mir trotzdem bei der Beschreibung mindestens jedes zweiten Glücksorts auffallen: Da kennt sich jemand aus. Und wie! Sie stellt alteingesessene Geschäfte, Treffpunkte, „Freiluft-Wohnzimmer“ und unbekannte Winkel dieser Stadt vor und übersetzt mir Worte wie Mösch – das sind die Spatzen, die in diesem Fall in Bronze auf dem Möschebrunnen sitzen. Immer wieder erzählt sie auch aus vergangenen Zeiten – etwa, dass es in dem Bad „Elisabethhalle“ mal ein „Becken für die treuen Vierbeiner“ gab. Oder dass die ehemals „räuberhöhligste Kneipe der Stadt“ heute ein ambitioniertes Privatmuseum für Kunst und Kunsthandwerk ist. So was weiß nur eine echte Stadtkennerin.

Sie lädt uns ein in kleine, feine Lädchen, zu Getränken wie Wein, Kaffee oder Absinth, in eine Printenbäckerei und zum Schokoladen-Werksverkauf, ans Ufer eines Stauweihers oder auf den Minigolfplatz am Entenpfuhl, immer wieder zum Essen – fein oder intim, am Büdchen, über den Wolken oder mitten im Park. Natürlich auch in Museen, von bekannt bis exotisch (etwa: Fernmelde- oder Zollmuseum), ins Aachener Dreiländereck (Deutschland – Niederlande – Belgien), selbstverständlich in den Dom, auf Türme oder in die Sternwarte. Und zum Innehalten auf ganz besonderen Plätzen. Dem Lindenplatz zum Beispiel: Der hat sich „eine herrlich lässige Gemütlichkeit bewahrt. Und ist fast so etwas wie ein Aachener Mikrokosmos … Laisser-faire, Luxus, Pragmatismus und Technikliebe versammeln sich nah beieinander.“

„Man sieht nur, was man weiß“

Ich spüre es ganz deutlich: Hier liebt jemand „seine“ Stadt, nur 73,5 Kilometer von mir entfernt. Hab ich es schon gesagt? Ich will da hin, jetzt. Und mir mit den „Glücksorten in Aachen“ in der Hand alle 80 Tipps angucken! Denn das, was Uschi im Vorwort zu diesem Buch schreibt, stimmt ja wirklich: „das berühmte Goethe-Zitat ‚Man sieht nur, was man weiß‘ ist für viele Bereich des Lebens anwendbar – ganz besonders natürlich auf das vergnügte Entdecken von Glücksorten, in der eigenen als auch in einer fremden Stadt.“

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Zu bestellen sind die „Glücksorte in Aachen“ über den Droste-Verlag  hier

 

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

6 Gedanken zu „Mit Uschi Ronnenberg in Aachen glücklich – ein Buchtipp

  1. wer so wunderbar beschreiben kann, bildstark, und launig und leidenschaftlich begeistert, dem sollte man folgen…
    wunderbar zu lesen,
    baut Spannung und Neugierde auf…
    sich Aachen mit eigenen Augen auch so anzusehen…
    herzliche Grüße angelface

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