Älterwerden und blöde Fragen… Führerschein mit 50plus ?!

Egal, wo ich hinkomme, überall muss ich erst mal Fragen beantworten: Ja, warum haben Sie denn noch keinen?! Warum wollen Sie ihn denn jetzt noch machen?! (Das „jetzt noch“ mit skeptisch hochgezogenen Augenbrauen…) ER, das ist mein Führerschein. Den ich mit 55 Jahren noch machen will, zum ersten Mal, wohlgemerkt. Und diese zwei Eingangsfragen waren noch die harmloseren. Es kam auch: „Darf ich fragen, wie alt Sie sind?“ und: „Wollen Sie sich das wirklich antun?“ Oder: „Sie wissen schon, dass man als älterer Mensch nicht mehr ganz so schnell lernt wie als junger?“

Aus Gründen….

Ja, weiß ich. Und ich wusste auch, dass es nicht einfach werden würde. Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich mich derart würde rechtfertigen müssen….. Ich hab mir ein paar Standardantworten zurecht gelegt. Vom schnippischen „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ bis zum ausführlichen: „bei den Eltern von Freunden war das so…. Papa Führerschein, Mama nicht. Papa Schlaganfall. Die beiden leben auf dem Land. Und Mama konnte sich von einem Tag auf den andren nicht mehr versorgen.“ Ups. An so was hatte scheinbar noch nie jemand gedacht. Nachdenkliche Gesichter. Verständlich war wohl auch, dass ich so lang mitten in der Stadt gewohnt habe und keinen Führerschein brauchte. Jetzt auf dem Land aber schon. Vor allem, weil die Frequenz des Öffentlichen Nahverkehrs halbjährlich immer weiter zurückgeht.

PS

Ziel: Eines Tages mit mehr als einer Pferdestärke unterwegs sein…. Bild erstellt mit Hilfe von https://photofunia.com/

(Blöde) Fragen

Darf ich fragen, wie alt Sie sind?“ Das war der Optiker, der mir einen Sehtest ausstellen sollte. Sonst nix. Aber nein, ich kam dann doch sehr ausführlich mit ihm ins Gespräch. Was ja eigentlich nett war. Aber ich frage mich schon: Muss es sein, dass der Mann so persönlich wird?

Das „warum wollen Sie ihn denn jetzt noch machen?“ kam von meinem ersten, potentiellen Fahrlehrer. Und hier hatte ich wirklich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Was ich unverschämt fand. Schließlich war ich bereit, den Mann zu bezahlen. Ziemlich gut sogar. Aus mehreren Gründen wurde er am Ende doch nicht mein Fahrlehrer. Aber das ist eine andere Geschichte….

Nichts gefragt wurde in meinen ersten Theoriestunden. Auch nicht im Erste-Hilfe-Kurs. Aber ich hab sie sehr wohl gesehen, die vielen fragenden, jungen Gesichter. Ja, ich bin allen sehr dankbar, die NICHT laut gefragt haben: „Was will die Alte denn hier?!“ Aber natürlich haben sie sich das schon gefragt. Nur leise eben. Danke dafür!

Wie ist das denn jetzt mit der Gleichstellung? Von Alt und Jung zum Beispiel? Was denkt ihr? Ist es nur einfach nettes, menschliches Miteinander, dass ich so viele persönliche Fragen beantworten musste? Oder liegt es vielleicht daran, dass es eben in unsrer Gesellschaft doch noch ziemlich viele Dinge gibt, die „tut man einfach nicht!“ – vor allem in einem „gewissen Alter“ nicht? Zum Beispiel eben mit über 20 noch einen Führerschein machen. Ist doch eigentlich nichts Ehrenrühriges. Und doch: Für mich fühlte es sich peinlich an. Ziemlich peinlich sogar. Was ich ungerecht finde. Denn das ist doch nichts, wofür ich mich schämen müsste! Ganz im Gegenteil: Eigentlich bin ich stolz darauf, dass ich mich getraut habe, das „Projekt Führerschein“ jetzt doch noch in Angriff zu nehmen. Lange Zeit dachte ich nämlich, ich müsste mich damit abfinden, dass ich so blöd war, in meiner Jugend mal wieder partout nicht das tun zu wollen, was „alle tun“…. Eine verpasste Chance eben. Genau das aber zeichnet aus meiner Sicht das bewusste Älterwerden aus: Dass ich mich nicht zufrieden geben muss. Dass es okay ist, wenn ich mit 55 noch lang nicht alles erreicht habe, was ich gern erreichen würde. Dass ich das ein oder andere durchaus noch „nachholen“ kann. Ich muss mich halt nur trauen…

Ich bin gespannt auf eure Einschätzung. Auf ähnliche Erlebnisse. Oder auf andere. Wo sich etwas plötzlich seltsam anfühlt, nur, weil man „älter“ ist. Auf blöde Fragen eben darum.

Und in den nächsten Blogeinträgen erzähle ich euch, wie es weiterging. Mit meinem Führerschein. Und ob ich es geschafft habe….

8 Kommentare


  1. Liebe Maria, wie ich dir schon mal schrieb, als du das Führerscheinprojekt startetest, habe ich meinen mit 57 gemacht. Ich fand das leicht, brauchte unter 20 Stunden. Mein Mann fährt nicht, und auch sonst niemand in meiner Familie, und wir kamen gut ohne Auto aus. Ich bin aber heilfroh, dass ich jetzt fahren kann, denn sonst hätten wir unser Haus in der Mani nicht bauen können. Inzwischen bin ich 74. Ab 65 muss man in Griechenland alle drei Jahre den Führerschein erneuern, ich habs grad zum 3. Mal gemacht. Na und? Wo ist das Problem? Bin ich blöd, nur weil ich alt bin? Machs gut! Gerda

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  2. Führerschein mit über 50 ist genau so selten wie die erste Ehe mit über 50. Aber es gibt immer Ausnahmen von der Regel. Damit man nicht zu viele seltsame Fragen gestellt bekommt sollte man sich eine Fahrschule für Senioren aussuchen. Am besten eine Ferienfahrschule auf dem Lande. Natürlich gibt es viele Leute mit Vorurteilen die extrem neugierig sind warum man denn noch in diesem Alter etwas Neues anfangen möchten. Wie auch immer nachdem die ersten mentalen Hürden überstanden sind verstehen mehr Leute warum eine Frau mit über 50 den Führerschein machen sollte als wenn die selbe Frau einen 25 Jahre jüngeren Araber heiraten würde. Das könnte dann der nächste Bericht sein.

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    1. Hallo Hans-Elmar, also, eine Fahrschule für Senioren ist mir noch nirgends begegnet… Wäre eine feine Sache! Irgendwelche konkreten Beispiele wären toll!
      Viele Grüße
      Maria

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  3. Blöde Kommentare sagen etwas über die Kommentierenden, nicht über dich! Ihre Vorstellungen vom Altern möchten wir echt nicht haben, oder? Die werden ja auch mal älter…

    Das „Wann, wenn nicht jetzt?“ halte ich für ausreichend! 🙂

    Es machen auch noch Leute mit 70 den Führerschein:

    http://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/bad-zwischenahn-das-erste-auto-gibt-es-mit-70-jahren_a_1,0,519147565.html

    Meinen hab ich in jungen Jahren mit meiner Mutter (!) zusammen gemacht – wir sind bei einem extrem schlechten Fahrlehrer zweimal durchgefallen (den hatten die Prüfer auf dem Kieker, es sind bei dem ALLE durchgefallen!) – dann Fahrschule gewechselt und bestanden.

    Lass dich nur nicht irritieren! Lieber fremdschämen als sich peinlich fühlen, wofür es gar keinen Grund gibt.

    Solange es keine schweren gesundheitlichen Einschränkungen gibt, spricht nichts dagegen, in jedem Alter den Führerschein zu machen!

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  4. Liebe Maria,
    ich habe mich mit meiner Firma erst 2010 selbstständig gemacht. Also war ich Mitte 50. Neukundenakquise per Mail oder Telefon – kein Problem. Sobald die potentiellen Kunden aber in der Nähe waren, wollten sie mich oft persönlich kennenlernen.
    Oft stand ich dann relativ jungen Leuten gegenüber, die dann verblümt oder unverblümt mit der Frage kamen: So alt bzw. in ihrem Alter und Internet? Ich habe so manchen dieser Aufträge nicht bekommen und ich schätze, genau aus diesem Grund.
    Laß dich nicht verunsichern. Die einzige richtige Antwort auf das warum ist, warum nicht!
    LG Karin

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