Buchmesse Frankfurt, die Nachlese

Zum Schluss meines kleinen Buchmessen-Rundgangs mit all den Fragen nach dem Älterwerden im Gepäck noch ein paar Schlaglichter auf jene Menschen, die mir klipp und klar zu verstehen gaben, dass sie das Thema zwar spannend, wichtig und/oder interessant finden – sich aber einfach keine Gedanken darüber machen. Entweder weil sie viel zu jung sind. Oder aus Prinzip nicht…. Da war zum Beispiel Christiane, die traf ich an einem so wunderbaren Stand, dass ich einfach stehen bleiben musste. Jetzt, wo ich im Internet nachlese, wer hinter dem phantasievoll wirkenden, deutsch-schweizerischen Kinderbuch-Verlag Bohem steckt, ist mir auch ganz klar, warum: „Der Verlag wurde 1973 von den beiden Exil-Tschechen Otakar Božejovský und Štěpán Zavřel in Zürich gegründet. Neben ihrer gemeinsamen Heimat (auf die noch der Verlagsname verweist) hat beide von Anfang an die Lust verbunden, Kunst für Kinder zu veröffentlichen, unterhaltsame Bilderbücher mit ethischem und künstlerischem Anspruch.“ Ja – die Botschaft kam bei mir sofort an. Christiane, die so gut zwischen all diese „komischen Vögel“ (= ein Bohem-Buchtitel) auf der Tapete passte, schüttelte den Kopf. Mit ihren 46 Jahren hätte sie sich kaum je Gedanken über das Alter gemacht. Allenfalls dann, wenn die eigne Mutter sie mal wieder darauf hinweise, dass es doch viel besser sei, sich die schönen grauen Haare zu färben…. was die Tochter regelmäßig ablehnt. Sie akzeptiert ihr Alter eben einfach, wie es ist. Und wie ihre Haare. Das Gefühl mit dem Alter zu hadern, könne sie sich nur dann vorstellen, wenn man einsam sei. Wie etwa manche Schulfreunde, die unablässig auf Facebook posten: „Daran merke ich, wie einsam sie sind“, sagt sie.

 

International wie die Schar der „komischen Vögel“, zwischen denen Christiane hier sitzt: das Programm des Bohem-Verlags

 

Und die Zukunft?

Maxi ist 27. Und ich spreche sie an, weil der Name des Standes, den sie vertritt, so gut zum Thema zu passen scheint: „future!publish“ – ein neuer Kongress für die Buchbranche, der ab 28. Januar 2016 in Berlin stattfinden wird. Davon vielleicht bei Gelegenheit mehr…. Maxi betont, sie habe zwar keine Angst vorm Älterwerden. Aber ihr sei schon ganz klar, dass sie ihre Zukunft einfach nie wird planen können. So, wie etwa ihre Eltern das konnten. Und sie sieht ziemlich nachdenklich aus, als sie das sagt.

Aktiv und interessiert sein und bleiben….

Cornelia reagiert prompt auf meine Frage, wie sich Älterwerden und Sichtbarbleiben wohl miteinander vereinbaren lassen: „aktiv und interessiert bleiben“ – das sei das ganze Geheimnis. Dann stellt sich heraus, dass die Lektorin gar nicht von sich selbst spricht, sondern von Hannelore Klemm, die mit ihrem Mann Alfred den Verlag führte, an dessen Stand wir grade stehen: die Dietrich’sche Verlagsbuchhandlung Mainz. Sie zeigt mir ein Foto der beiden: ebenso sichtbar wie sichtlich aktive,  interessierte Menschen, und das auch noch mit 80plus. Cornelia ist erst 63. Und als sie endlich von sich selbst spricht, scheint sie immer jünger zu werden: „Ich bin glückliche Großmutter – für meine Enkelkinder sichtbar zu sein und zu bleiben, ist das pure Glück“, sagt sie.

Alfred und Hannelore Klemm
Alfred und Hannelore Klemm, langjährige Leiter der Dietrich’schen Verlagsbuchhandlung Mainz

Und dann war da noch Helene – und die Sache mit meinem Ring…. Doch davon beim nächsten Mal mehr.

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