Ki… wie? Le Monde de Kitchi, ein Blog50plus: bunt, spannend, nachdenklich

Ki… wie? Le Monde de Kitchi, ein Blog50plus: bunt, spannend, nachdenklich

Wer die Welt – also le monde – von Kitchi betritt, darf sich nie täuschen lassen … Denn in diesem Blog können einem die schönsten Blumenbilder begegnen und gleich darauf stößt man beispielsweise auf einen engagierten Beitrag zum Tag der Pressefreiheit, „obwohl es zum Feiern weltweit wenig Grund gibt“. Oder auf das Porträt einer weiteren großartigen, oft genug fast vergessenen Frau. Dass es auf der Startseite dieses Blogs auch noch Konfetti regnet, könnte einen zusätzlich  verwirren, aber das alles hat System – und ist sehr sympathisch. Wie alle hier Vorgestellten hat sich auch Astrid Kahmen mit ihrem Blog bei den Blogs50plus angemeldet – was alle, die 50 und älter sind, übrigens weiterhin jederzeit gern kostenlos tun können. Astrid schreibt dort über sich selbst, beziehungsweise ihren Blog: „Gestartet als Nähblog, hat sich mein Blog zu einem vielfältigen ‚Magazin‘ entwickelt, in dem ich neben ‚Do it yourself‘ und schönen Blümchen, ein bisschen Karneval, auch kulturell, politische & sozial engagierte Beiträge veröffentliche und ausführliche Biografien großartiger Frauen.“ Kitchi war übrigens der Name eines Rehs, das Astrids Tochter gehörte …

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Hallo Astrid, seit wann bloggst du schon?
Meinen Blog habe ich am ersten Sommerferienwochenende im Juli 2012 eigentlich eher aus einer Probierlaune heraus eingerichtet.

Gab es eine Idee, einen Traum, einen bestimmten Ansporn beim Start deines Blogs? Wenn ja: welchen?
Angefangen habe ich, weil ich Kontakt zu anderen Nähbegeisterten bekommen wollte, die ich in meinem realen Leben einfach nicht gefunden habe.

„Mein Blog ist politischer geworden“

Hat sich diese Idee „woandershin“ entwickelt als vorher gedacht? Wenn ja: wohin?
Und wie! Das Nähen für meine Enkelkinder, mich und meinen Mann spielt noch in maximal drei Beiträgen pro Woche eine Rolle. In den übrigen fünf geht es um sehr viel anderes: Sehr lange spielen meine Freitagsblümchen und die „12 von 12“ – Challenge eine Rolle, fast ähnlich lange der „12tel Blick“. Und dann kamen auch bald meine wöchentlichen Rückblicke dazu, sozusagen mein Tagebuch, um mich an die glücklichen Dinge in meinem Leben zu erinnern, nachdem ich ab Herbst 2013 ganz schön und wiederholt gebeutelt wurde. Diese belastenden Ereignisse reiße ich nur an, sie sind aber nie Thema. Beim Anschauen der Fotos – ja, das tue ich tatsächlich, ich „blättere“ hin und wieder in meinen Erinnerungen – weiß ich sofort, was sonst noch so passiert ist. Seit Januar 2015, als mich die Scheinheiligkeit der saudischen Regierung auf die Palme gebracht hat, die einen Blogger auspeitschen lässt und anschließend für die Meinungsfreiheit in Paris mit auf die Straße geht, veröffentliche ich so gut wie jeden Freitag etwas rund um dieses Thema ( im weitesten Sinne ). Mein Blog ist seitdem politischer geworden, und ich äußere mich zu vielen Entwicklungen, die ich nicht gut heißen kann. Ein ganz wichtiger Schwerpunkt, der mir persönlich am Herzen liegt, sind die Porträts großartiger Frauen, die ich donnerstags seit Oktober 2014 veröffentliche.

Wie leben Frauen ihr Leben „zum Ende hin“?

Spielt das Älterwerden beim Bloggen/bei der Auswahl der Themen für dich eine Rolle? Wenn ja: welche?
Das Älterwerden schlägt sich nieder gerade im letztgenannten Themenkomplex: Ich wollte immer nach meiner Pensionierung zu einem neuen Studium an die Uni gehen. Jetzt habe ich mein eigenes Forschungsgebiet, über das ich völlig autonom bestimmen kann. Und es fasziniert mich bei jeder Frau aufs Neue, wie sie ihr Leben zum Ende hin lebt.

Gut strukturiert und sehr viel Kommunikation …

Gibt es einen Zeitplan, einen inhaltlich „roten Faden“ für Blogbeiträge? So etwas wie einen Redaktionsplan?
Ja, gibt es: Meine Posts erscheinen nach einem ganz bestimmten Rhythmus. Die Great-Women-Posts sind länger im Voraus geplant und oft auch verfasst. Eigentlich sind nur die ersten drei Tage der Woche relativ offen, donnerstags sind die Frauen dran (außer dem letzten Donnerstag im Monat, da gibt’s den Monatsrückblick), freitags die Blümchen & Ralf Badawi usw., samstags/sonntags die Wochenrückblicke.

Was ist mit dem Zeitfaktor? Wie viel Zeit pro Woche wendest du für deinen Blog auf?
Ich verwende sehr viel Zeit für mein Blog, aber es ist mein Hobby, mein Ausgleich für mein Alltagsleben, das nun seit einiger Zeit durch den nötigen Pflegeaufwand für meinen sehr viel älteren Gefährten bestimmt wird. Davon kann ich abschalten, wenn ich mich mit ganz anderen Dingen beschäftige. Dazu kommt Zeit für all die wunderbaren persönlichen Kontakte, die ich übers Bloggen im deutschsprachigen Raum gewonnen habe. Da läuft sehr viel Kommunikation quasi hinter dem Blog, die mir gut tut.

Ist dein Blog rein privat oder gibt es berufliche Themen, Ziele, Wünsche, die sich in deinen Blogbeiträgen spiegeln?
Bei mir gibt es seit fast fünf Jahren keine Trennung mehr zwischen Beruf & Privatsphäre, da ich ja pensioniert bin.

Erfolg ist mir schon wichtig!

An welchen Punkten sagst/denkst du: „Ich bin erfolgreich mit meinem Blog“? Oder ist Erfolg gar kein Kriterium für dich?

Erfolg ist für mich schon wichtig, besonders was meine anspruchsvolleren Posts anbelangt, also hauptsächlich die Frauen-Porträts, hinter denen viel Arbeit steckt und die vor allem bei meinen älteren Leserinnen, oft auch ohne Blog, gut ankommen. Das lese ich dann an den Kommentaren ab.

Wie sieht es aus mit der Technik: Hattest – oder hast du – manchmal technische Schwierigkeiten? Wie löst du die?
Habe ich, löse ich aber so gut wie immer alleine. Nur bei der DSGVO habe ich mal einen Blogger in der Nachbarschaft konsultiert.

Ich denke ja: Bloggen geht nicht ohne gute Netzwerke. Wie siehst du das?
In einem solchen Netzwerk sehe ich mich höchstens in puncto künstlerisch dominierten Blogaktionen wie dem PostKunstWerk verankert. Ich habe keinen Überblick, welche Leserinnen/Leser zum Beispiel über Blogs50plus zu mir finden. Und ich muss gestehen, ich nutze dieses Netzwerk auch zu selten. Das Netz, das ich für mich gespannt habe, ist eher zufällig entstanden.

„Ich weiß nun, was für mein Leben wesentlich ist“

Hast du noch Pläne für die Zukunft deines Blogs? Neue Projekte im Auge?
Von mir aus kann es so weiter gehen. Ich befürchte eher, dass mehr Bloggerinnen zu Instagram flüchten, ein Medium, das mir zu selbstbespiegelnd, eitel und oberflächlich ist.

Mal ganz unabhängig vom Bloggen: Was ist dein Lieblingsgedanke zum Thema Älterwerden?
Wundervoll finde ich diese heitere Gelassenheit dem Leben und all seinen Überraschungen, auch den widrigen, gegenüber, die mich erfasst hat, mich, die in jungen Jahren bei jedem auftauchenden Problem sofort zu rotieren begonnen hat. Dieser Abstand zu allem, was heute als Sau durchs Land getrieben wird, finde ich ein Geschenk. Ich weiß nun, was für mein Leben wesentlich ist.

Danke, Astrid!

Zwei Hinweise in eigener Sache

Erstens findet ihr alle bisher erschienenen Mini-Porträts der Bloggerinnen und Blogger von der Plattform Blogs50plus hier.

Und zweitens wird sich mein nächster Newsletter mit der „Bloggerwelt 50plus“ beschäftigen. Er heißt  „schön & eigensinnig, sichtbar & unruhig“. Damit vereint er all meine Themen, von Buch bis Selfpublishing, Älterwerden bis Selberschreiben. Er erscheint nur einmal pro Monat und kann hier abonniert werden.


 

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag in die Welt tragt ... danke!

3 Gedanken zu „Ki… wie? Le Monde de Kitchi, ein Blog50plus: bunt, spannend, nachdenklich

  1. Ein sehr feines Interview mit Astrid über sie und ihren Blog. Ihn zu lesen lohnt sich unbedingt und die kluge und sympathische Frau dahinter kennenzulernen ebenfalls. Ich freue mich, dass das Bloggen uns befreundet werden hat lassen.
    Dass frau übers Nähen politisch werden kann, haben Frauen schon an anderer Stelle bewiesen und Astrid tut dies auf ihre Art nun auch und das sehr erfolgreich. Die Great Women-Reihe ist genial und ich hoffe, dass „Le monde de Kitchi“ nun noch mehr Leserinnen und Leser bekommt. Verdient hat sie es.
    Danke für das Interview sagt Sieglinde.

    1. Liebe Sieglinde,

      ja, mir ist der Blog auch schon vorher regelrecht ins Auge „gestochen“ – und zwar sehr positiv. Darum: Du musst dich nicht bei mir bedanken, hat nämlich richtig viel Spaß gemacht …

      Herzliche Grüße
      Maria

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