Frauen-Onlinemagazin für’s Älterwerden: Palais F*luxx steht für Rausch, Revolte und Wechseljahre
Schon seit über fünf Jahren gibt es ihn jetzt, den Palast, das Palais F*luxx, eröffnet von der Journalistin, Dozentin, Moderatorin und Buchautorin Silke Burmester (von der auch ein Großteil der Texte stammt, zumindest alles, was ich hier zitiere) und Simone Glöckler, ihres Zeichens „Tech-Crack“. Dazu kommen die Gynäkologin und Sexualberaterin Dr. Elke Franzki, eine Fachfrau für Wirtschaftsfragen (Anja Lüthy), natürlich eine „Fachfrau in Wechselfragen“ – präziser gesagt: Wechseljahres-Beraterin (Britta Scholten), fotografierende, korrigierende, interviewende Frauen, Social-Media-Expertinnen, Gestalterinnen, Fotografinnen, Speakerinnen und mit Kixka Nebraska sogar eine der Mitgründerinnen der Digital Media Women. Und viele mehr – denn das wird schnell klar: Eine solche Plattform lebt vor allem vom Miteinander. Geht ja auch kaum anders …
Ja, es ist ein Online-Magazin für’s Älterwerden. Für und von Frauen. Mit einer sehr realen Präsenz. Und einer unglaublich großen Themenfülle. Da ist es fast schon logisch, dass in vielen Orten Deutschlands auch Stamm-, ähm: Fluxxtische angeboten werden. Live, echt, in Farbe und mitten im Leben. Sogar Workshops gibt es – an anderen Orten – ab und zu.
Muss es gleich ein Palast sein?! Ja!
Silke Burmester schreibt: „Es war klar, wenn ein Ort für lebenserfahrene Frauen geschaffen wird, dann muss es ein Palast sein. Etwas anderes kommt nicht infrage. Hütten, Wohnungen, Garagen haben wir in unserem Alltag genug. Der Ort für Frauen* 47+, an dem jede so sein kann, wie sie will (außer rechts und menschenverachtend), ein Ort, der niemanden ausschließt.“
Doch, schreibt sie weiter: Ich sehe auch die „die unvollendeten Räume, die noch nicht fertig renovierten Säle. Ich sehe das Begonnene, das im Bau Befindliche und das Aufgegebene. Ich sehe den Schutt auf dem Boden und die Zementsäcke in den Räumen. Die Fliesen und Rigipsplatten, die darauf warten, verbaut zu werden. Die Rohre, die herumliegen“, gibt Burmester unumwunden zu.
Natürlich steigert genau dies das Gefühl von Lebendigkeit – der Menschen, Angebote und Räume. Bei mir zumindest. Die Website, pardon: der Palast lebt. Und alle Frauen, die dort zu Wort kommen, ebenfalls. Egal, ob es um Fotos oder Statements, Interviews oder Grüße aus der ganzen Welt geht. Schließlich, so Burmester: „Das Tolle ist, unser Palast ist so groß, da macht es nichts, wenn manche Räume noch nicht fertig sind. Wenn sie nicht be- oder genutzt werden. Denn ich sehe das Viele, das fertig ist. Das in Betrieb ist und das wir erschaffen und geschafft haben.“
Untertitel: Rausch, Revolte, Wechseljahre
Ja, es geht um Frauen. Nur um Frauen. Die mindestens 47 sind, gern auch älter. Die mit den Wechseljahren kämpfen – oder auch nicht, gute Tipps und Gedanken dazu haben. Die in den Medien sichtbarer sein wollen, vor allem im deutschen Fernsehen – das ist eins der ganz klaren Anliegen von Palais F*luxx. Und dafür wurde sogar eine eigene Kampagne ins Leben gerufen: Let’s Change the Picture. Für mehr Sichtbarkeit. Und die war ziemlich erfolgreich, sorgte für viel Auf-Sehen und ist in den Augen nicht weniger „Promis“ noch immer recht präsent.
Aber: Ist das alles überhaupt nötig? Silke Burmester glaubt: ja. Ich auch. Schließlich: „Wir sind 21 Millionen. 21 Millionen Frauen in Deutschland sind über 47 Jahre alt. Und die Gesellschaft tut so, als gäbe es uns nicht. Oder als hätten wir keine Interessen. Keinen Beruf. Kein Sexleben. Am besten, so scheint es, verschwinden wir und fallen dem Auge mit unseren Falten nicht zur Last. “ Das Team hat sich dafür alles auf die Fahnen geschrieben, was dafür notwendig ist … „Freude und Abschiedsschmerz, Aufregung und Lust auf Abenteuer. Und: Humor. Deswegen laden wir zum Feiern ein, wann immer es geht (Rausch), treten, wo es sein muss, den Leuten auf die Füße (Revolte) und laden die Wechseljahre mit neuer Bedeutung auf.“
Ja, das mit dem Rausch darf wörtlich genommen werden. Burmester hat eine eigene Kolumne dazu, in der sie sich mit dem stilvollen Trinken beschäftigt … Gern mit Brille auf der Nase und/oder Hut auf dem Kopf. Allein manche Fotos dazu sind schon absolut sehenswert. Prosit!
Überhaupt, all diese Kolumnen! Mensch Mama, du nervst ist eine weitere. Da erzählt Ingeborg Trampe von der besonderen Beziehung zu ihrer Mutter – ganz sicher nicht nur an Muttertag. Und noch sicherer nie weichgespült a la „Liebes Muttilein“.
Ja, alle Menschen werden älter. Männer wie Frauen. Da ist es konsequent, dass sogar eine Trauerrednerin und Trauerbegleiterin (Gyde Greta Cold) in diesem Palast wohnt … Sie hat ihre eigene Rubrik: Lass uns übers Sterben reden.
Findet ihr, das alles ist viel zu viel Text? Okay, dann ab in die Audiothek … auch da gibt es durchaus Schätze zu entdecken.
Macht doch, was ihr wollt!
Das ist eine der interessantesten Rubriken dieser Website: Hier „stellen wir euch Frauen vor, die ihr Leben umgekrempelt und etwas Neues begonnen haben. Was der Anlass war? Wie der Weg zum Ziel und ob sie jetzt glücklicher sind als zuvor – darüber berichten sie in den Interviews.“ Kurz eben: „Macht doch, was ihr wollt!“
Spannend finde ich aber auch die F*luxx Galerie: Künstlerinnen, die „inspirieren und in der männerdominierten Kunstwelt häufig unter dem Radar verschwinden.“ Da gibt es in der Tat viele (noch) unbekannte Talente zu entdecken …
Wer eher auf Fotografie steht, dem sei die Fotoreihe ans Herz gelegt: Da „stellen wir auch Fotografinnen vor. Jeden Montag zeigen wir ein neues Bild aus der Serie.“ Doch auch die Fotos, die es in diesem sehr speziellen Palais zu sehen gibt, finde ich oft bemerkenswert – Beispiel siehe unten.
Schließlich noch eine Rubrik, die glatt von mir hätte sein können … Die Kulturetage: Literatur, Lyrik und Kunst. Und die sehr präzise Frage: „Welches Buch hat euer Leben verändert?“ Auch hier gilt: Mitmachen, Stellung beziehen, sichtbar werden: „Macht mit bei unserer Rubrik ‚I am what I am because of this book‘ und schickt uns eure Texte.“
Genau: Eigene Texte gehen auch. Sehr gut sogar. Und zwar am besten in Form erotischer Geschichten … Davon gibt es schon einen Fundus, der auf Entdeckung wartet. Wird jedoch immer weiter aufgestockt. Ergänzt wird das Ganze noch durch die Geschichten der Sex-Kolumnistin Suzette Oh. Oh!
Kleine Differenz: 50 minus 47 ….
Schon ein beeindruckend großes Universum, dieses Palais, oder?
Schade, dass das Palais F*luxx nicht Teil unserer eigenen Plattform der Blogs50plus sein kann. Sind leider definitiv drei Jahre zu wenig … Doch das Allerschönste ist und bleibt: Alle Angebote von älteren Menschen für ältere Menschen sind so unterschiedlich wie die ungeheure Vielfalt des Älterwerdens selbst. Das freut mich immer wieder aufs Neue. Und das Palais F*lux ist dabei für mich ein ziemlich hell leuchtender Stern.
Darum hier ein Überblick über die Blogs50plus, die ich bisher in den Blick zu nehmen geschafft habe. Bin damit noch lang nicht fertig … Sind schließlich über 300!

Einen News-, ähm: Fluxxletter gibts übrigens auch – zu dessen Abo-Aufruf gehört das Foto von Silke Burmester, das ich hierher entführt habe. Quelle: https://palais-fluxx.de/abonnier-unseren-fluxxletter/
