Klarheit für alle(s): bewusst denken. Eine Buchempfehlung
„In meiner Arbeit mit Teams, Führungskräften und Studierenden erlebe ich täglich, wie viel Potenzial in den einfachen Dingen steckt. Das geht im Alltag oft verloren – wir suchen nach großen, komplizierten Lösungen und übersehen dabei das Naheliegende.“
Das sagte Bernhard Fink in einem Interview mit der Buchschmiede mit Blick auf sein Buch „bewusst denken“. Fink ist Unternehmensberater, Trainer, systemischer Coach und Lehrender an Hochschulen. Doch das finde ich ehrlich gesagt gar nicht so wichtig … In seinem Fall scheint mir, dass sein Ziel das Allerwichtigste ist. Und das ist aus meiner Sicht:
Mach Schwieriges einfach!
Wie in dem Zitat ganz am Anfang dieses Textes geht es um „das Naheliegende“. Und was ist das? Wirklich ganz simpel: Lernt zuhören! Doch das ist oft leichter gesagt als getan. Dazu gehören eben nicht nur die Ohren, sondern auch das, was dazwischen sitzt … unser Denken. Ebenso ganz viel Neugierde, die Bereitschaft, zuzuhören – und die Tatsache, dass wir uns bewusst machen sollten, WAS wir da eigentlich hören. Klingt auch schon wieder so verdächtig einfach! Stimmt. Denn nicht nur das „Was“ gibt hier den Ausschlag. Sondern auch die ebenfalls simple Frage:
WER spricht da eigentlich?
Genau diese Frage war für mich der Punkt, an dem das Buch mich zu interessieren begann. Denn da macht Bernhard Fink etwas Spannendes: Er schafft, beschreibt und befragt fünf „personas“, also repräsentative Figuren. Das geht so weit, dass er von all diesen Figuren das Alter, den Wohnort, die Hobbies, Familien- und Freundessituation kennt. Ganz am Ende des Buchs bekommen der 19-jährige Installateur, die 32 Jahre alte IT-Technikerin, die 36-järige, alleinerziehende Mutter, der 48-jährige Abteilungsleiter und die Lehrerin, die mit 67 gerade in Rente gegangen ist, sogar noch ein täuschend echtes Porträtfoto. Vielleicht noch wichtiger: Alle fünf haben „typische Denk- und Handlungsmuster“, wir kennen ihre Werte und Glaubenssätze sowie ihr Konfliktverhalten und den Kommunikationsstil.
Und wenn wir diese Grundparameter schon mal kennen, können sich Menschen natürlich immer noch überraschend verhalten – aber oft genug in gewisser Weise auch vorhersehbar. Das sind einfach Dinge, die wir uns klarmachen sollten. Etwa: Diese Frau interpretiert vieles schlicht aus ihrer Erfahrung, sie hinterfragt häufig gesellschaftliche Entwicklungen und sucht oft Harmonie, handelt eher empathisch als zu denken, sie dürfe „keine Schwäche zeigen“. Das war natürlich die Lehrerin im Ruhestand … und das „keine-Schwäche-zeigen-Dürfen“ gehörte zu den Glaubenssätzen des Abteilungsleiters.
Ja, wir wissen solche Dinge in aller Regel – bewusst oder unbewusst, klar in unseren „Mustern“ verwurzelt oder undeutlich im „Hinterkopf geahnt“ … Genau darum geht es: Wenn wir uns all dieses Wissen bewusst machen, werden die Dinge schnell sehr viel klarer. Und einfacher. Dann lässt sich unser Wissen auch gut mit den verschiedenen Kommunikationsmodellen vereinbaren, die sonst oft graue Theorie bleiben. Oder – noch schlimmer – wenig konkreter Lernstoff im Rahmen diverser Ausbildungen und Prüfungen sind. Das ist verschenktes Wissen. Und passiert in aller Regel genau dann, wenn wir eben nicht „bewusst denken“. Ja: So einfach ist das. Wohlgemerkt:
Es geht um Kommunikation
Und die ist nun mal Grundlage für (fast) alles. Keine Ahnung, warum ich im Moment eher an die „Statements“ von Politikerinnen und Politikern denke als – wie Fink – an unseren Alltag, berufliche Situationen und private Beziehungen. Auch das ist etwas, bei dem das bewusste Denken stets hilft: Die Erkenntnis, wie grundlegend wichtig gelungene Kommunikation in allen Lebenslagen ist. Scheinbar simpel, aber essenziell!
Ebenso simpel und essenziell wichtig finde ich schon den ersten Satz seiner „Empfehlungen für gelingende Gespräche: Formuliere klar und achtsam. Überlege, wie deine Worte beim Gegenüber wirken könnten.“ Und mein Gegenüber ist eben niemals irgendwer, sondern ein Mensch mit eigenen Denkmustern, Werten und Glaubenssätzen. Darum sind mir die „Personas“ so wichtig.
Und natürlich bin ich froh, dass darunter auch eine Frau auftaucht, die etwa mein Alter hat … Denn genau dieser Generationenaspekt ist mir im Moment wichtiger denn je. Ja, das ist meine ganz persönliche Ausrichtung. Aber genau die Tatsache, dass dieses Buch einen so persönlichen Aspekt – natürlich nicht nur für mich, sondern für Menschen aller Generationen – zulässt, bedeutet in meinen Augen, dass es ein gutes Buch ist: Es gibt nichts vor, ist kein bisschen starr. Und arbeitet vor allem nicht „mit der Gießkanne“.
Um das würdigen zu können, hilft auch ein Blick aufs Buchcover: Es ist der Eisberg, dessen sichtbare Spitze nur unser Verhalten darstellt – das, was sich von außen betrachten lässt. Genau an dieser Stelle sollten wir aber immer mal wieder innehalten und uns fragen: Was wirkt hier gerade in mir? Und was bei dem Menschen, mit dem ich im Gespräch bin? Für mich ist dies vor allem eine Aufforderung zur Offenheit.
Offenheit, Klarheit, KI und Prioritäten …
Ja, Finks Ansatz ist und bleibt extrem offen. So etwas kann, vor allem als Buch, schnell kompliziert werden … Ist hier ganz und gar nicht der Fall. Und ausnahmsweise bin ich sogar dankbar für die Rolle, die KI dabei gespielt hat. Fink legt glasklar offen, dass er beim Schreiben KI-gestützte Tools genutzt hat. Ich glaube wirklich, das macht hier einen Unterschied: Statt sich in den vielfältigen Variationen zu verlieren, die uns eher den Blick auf die Klarheit unseres Denkens wie unserer Kommunikation verstellen würden, haben diese „Werkzeuge mir auch geholfen, Gedanken klarer zu strukturieren und Inhalte zugänglicher zu formulieren“, schreibt der Autor. Dass aber die Grund-Gedanken, die es klar zu machen gilt, allein von ihm kommen – das glaube ich ihm. (Okay, ich habe ihn in einem Beratungsgespräch auch ein bisschen kennengelernt …)
Doch uns bleibt immer die Wahl: In der gelebten Kommunikation wie beim Lesen dieses Buchs. Wie wollen wir agieren? Dafür sind die vielen Abbildungen und sehr präzisen Beispiele extrem hilfreich, Literaturtipps und Hinweise zur Orientierung durch die Themenfelder wie etwa Selbstregulation, Reflexionsfähigkeit, Neurobiologie, die neuronale Plastizität, Reframing, Ethik und Verantwortung gibt es ebenfalls. Bei dieser Aufzählung wird schon deutlich: Die Inhalte des Buchs sind zwar plastisch und einfach präsentiert, die Inhalte aber sind alles andere als „banal“.
Viele der Kommunikationstheorien und Betrachtungsmöglichkeiten, die Fink hier vorstellt, kannte ich schon. Nicht weniges davon aber begann in Kombination mit dem Nachdenken über die Werte, die Situation und Denkmuster der Adressat:innen noch mal neu und anders zu leben. Ich weiß: Das macht einen Unterschied. Denn es schafft tatsächlich mehr Klarheit. Und rückt auch meine eigenen Prioritäten noch mal ein wenig zurecht … Etwa: Was tue ich, um zu gemeinsamem Verstehen zu gelangen? Damit bin ich durchaus auf einer Linie mit der Intention von Bernhard Fink für dieses Buch: „Mich inspiriert die Frage, wie wir uns selbst und andere besser verstehen können“, sagt er in dem anfangs erwähnten Interview.
Klare Leseempfehlung!

Das Buch
wurde mir vom Autor zu Verfügung gestellt – was mich in meinem Urteil aber sicher nicht beeinflusst hat.
Gekauft werden kann es hier – und überall sonst, wo es Bücher gibt …
